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Normalerweise ist das so, wenn das Kind nicht um meine Beine rumwuselt, dann muss ich leise sein, weil das Kind gerade schläft. Heute ist das anders. Das Kind ist im Kindergarten und ich habe Ferien. Und wenn ich dann so die Treppe hochschleiche und mir plötzlich einfällt, dass das gar nicht nötig ist, dann habe ich das dringende Bedürfnis, ganz laut zu sein. Also knalle ich nach Herzenlust mit den Türen, stampfe die Treppe hoch und singe mein Schalalalala. Eine halbe Stunde habe ich noch.
Heute nun endlich konnte das Kind seinen Geburtstag im Kindergarten nachfeiern. Und so kam es, dass am Mittag ein stolzer Herr Anton mit einer Krone, einer Marienkäferdose mit drei Murmeln und einer vollen Flasche Seifenblasen ins Auto eingestiegen und mit einer Krone, einer Marienkäferdose mit drei Murmeln und einer leeren Flasche Seifenblasen wieder ausgestiegen ist.
(Ich mag die Art und Weise, wie in Antons Kindergarten Geburtstag gefeiert wird. Das Geburtstagskind darf sich aussuchen, ob es einen Kuchen oder Waffeln für die Gruppe backen möchte. Eine Erzieherin aus der Gruppe bereitet dann mit dem Geburtstagskind das Ausgesuchte in der Küche zu und in der Gruppe wird eine lange Tafel gedeckt und geschmückt. Dann wird gemeinsam gesungen und gegessen. Im Gruppenraum hängt ein großes Pappmachépferd (Alfred) an der Decke. Das wird an Geburtstagen runtergelassen und in dem Pferd liegt dann ein kleines Geschenk und ein Schächtelchen, in dem so viele Murmeln sind wie das Kind alt geworden ist. Naja, und eine Geburtstagskrone gibt es auch, die immer ganz individuell für das jeweilige Kind gestaltet ist. So hatte Anton dieses Jahr eine mit Jowirschaffendasbob und Buddel. Mit all diesen Kleinigkeiten werden dem jeweiligen Kind so viel Wertschätzung und liebevolle Aufmerksamkeit entgegengebracht, wie man es sich als Eltern von Menschen, in deren Verantwortung man das eigene Kind gibt, nur wünschen kann. Ich habe großen Respekt vor dieser Arbeit und bin sehr gerührt und angetan, wie man hier den Menschenkindern begegnet.)
Erster Spargelpipi.
(Kleiner familieninterner Wettstreit.)
(Gewonnen.)
Ich liebe es, meinen Kaffee zu trinken, wenn alle anderen noch schlafen. Manchmal muss man dafür zwar recht zeitig aufstehen, aber es lohnt sich.
Und so wünsche ich nun allen Menschen meiner Blogroll, die gerade wegen eines kranken Kindes, wegen schlechten Wetters, wegen Kryptata, wegen Schlafmangel und wegen Nunistabermalgutmitschwangersein auf dem Zahnfleisch gehen, einen wunderbarsten Tag. Und allen anderen Menschen sowieso.
Seit ca. vier Wochen (wir haben das Gefühl mit Beginn der Kindergartenzeit)schläft das Kind äußerst bescheiden. Es weint mehrmals in der Nacht, träumt wild und laut, schreit, trampelt, wehrt sich gegen alles und jeden, will mitten in der Nacht aufstehen, diskutiert und schimpft. Seit der ersten Fiebernacht vor fast einer Woche hat sich die Situation noch mal verschärft. Aufweinen im gefühlten Zehnminutentakt. Seit 2 Stunden liegt das Kind im Bett und ich weiß schon jetzt, dass auch diese Nacht wieder weit entfernt von Durchschlafen sein wird. Der ganze Tag war schon nur so halb prickelnd. Das Kind hat weiterhin Temperatur, hustet sich die Seele aus dem Leib und hat zu allem Überfluss, wahrscheinlich vom Antibiotikum, auch noch Durchfall bekommen. Irgendwann habe ich ihm heute wieder Windeln anziehen müssen, frische Unterwäsche war aus. Der Po ist wund, das Kind mag nichts essen und zu jeden Schluck Wasser muss es überredet werden. Nun war ich bereits 5mal oben im Kinderzimmer, Hand auf den Rücken legen und streicheln. Wir gehen auf dem Zahnfleisch, wissen es nur noch gar nicht wirklich.
Du musst mich nicht so anmotzen, ich bin einer von den Guten sagte db Eva heute Nacht zum kleinen Terrorzwerg.
Wenn man Essengehen wird und die Speisekarte fast auswendig kennt, dann kann man den ganzen Tag darüber nachdenken, was man am Abend essen wird. Ich denke, ich nehme Lammkoteletts und so.
edit: Es wurde dann doch vom Knochen gelöste Lammhaxe, gefüllt mit Gemüse, Pinienkernen und Korinthen, in Pfefferminzsauce geschmort.
Haben Diebe auch Nasen?
Lesen Piraten auch Zeitung?
Ich sitze in Lauerstellung und warte auf die Post, denn die soll heute mein letztes Geburtstagsgeschenk bringen. Und dieses Geschenk, das macht mich ganz rappelig, weil es 1. von Frau Ami ist, weil 2. diese so rästelhafte Andeutungen am Telefon gemacht hat (dass sie es gesehen hat und gleich wusste, dass es DAS ist, dass sie es sich selber auch gleich gekauft hat, dass sie soetwas noch nie für einen anderen Menschen gekauft hat, dass ich es ohne Bedenken im Beisein der Kind auspacken darf (eine Information, die mich sehr beruhigte, weil bereits feinstes Kopfkino anfing), dass es einen Wert hat, dass es mit der Briefpost kommt) und weil ich 3. keine Ahnung habe, was es sein könnte. WAAAHHH, die Post kommt. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich eventuell nicht schreiben kann, was ich bekommen habe. Nun dürfen Sie das Kopfkino genießen…
Früher, als ich mal schwanger war, da trieb ich mich in einem Forum mit vielen anderen Schwangeren und jungen Müttern rum. Dort berichtete die eine oder andere Mutter, dass ihr Kind MOE hat. Große Ahs und Ohwehs bei den Kommentatorinnen und bevor ich dann irgendwann kapierte, was MOE eigentlich bedeutet, hatte ich immer das Gefühl, es müsse so etwas Schreckliches wie eine Geschlec.htskrankheit oder zumindest eine ganz fiese Pilzinfektion sein. Nun gut, Anton hat MOE und wenn man ein paar Buchstaben übrig hat, dann kann man auch Mittelohrentzündung schreiben.
Ich bin eigentlich relativ entspannt, was fiebernde Kinder betrifft. Hehe. Aber 40,3°C beim Zubettbringen, und das nächste Fieberzäpfchen ist frühstens in zwei Stunden wieder möglich, nimmt mir ein Stück weit die entspannte Haltung. Dazu dann noch meine Mutter, die die ganze Zeit fragt, ob ich nicht doch mal lieber zum Arzt fahren will und mich damit verunsichert. Ich bin eigentlich schon der Meinung, dass man mit einem Kind, das seit zwei Tagen fiebert, hustet und verschnupft ist, das keinen Ausschlag hat, nicht über Schmerzen klagt, angemessen auf fiebersenkende Mittel reagiert, noch nicht zum Arzt gehen muss. Oder sehe ich das falsch? 40,3 ist schon arg viel. Weiterhin Mist.
Sie kann ja schon ein Lied davon singen und wir stimmen etwas niedergeschlagen mit ein: Das Kind fiebert seinem Geburtstag entgegen.
Mist.
Mama, pupsen Babys auch?
Haben Frösche Beine? Warum haben Seepferdchen keine Beine?
Wie trocknen Pfützen aus?
Wie kann die Sonne fliegen?
Ich tue mich insgesamt immer recht schwer, was meinen Geburtstag betrifft, bzw. die Ausgestaltung dieses Tages. Ich schwanke zwischen ist alles nicht so wichtig und wenn der Tag nichts Besonderes bringt, dann bin ich traurig. Keine einfache Kombination.
Gestern war nun ein guter, normaler Geburtstag. Mit feinen Geschenken: ein Gutschein für 1x Kaffee ans Auto, ein Gutschein für 1x Frühstück ans Bett, ein Gutschein für einen selbstgebackenen Kuchen, eine Einladung zum Essen mit zwei liebsten Menschen, ein Gartensommerlaternchen, das Ohcynthiabackbuch, das Kochbuch Die Basis, eine Steinvogeltränke (meine Mutter gestand mir, dass sie sich bei diesem Geschenk im Vorfeld leider im Preis geirrt hätte, beim Bezahlen stellte sich nämlich heraus, dass sie das Preisschild wohl auf dem Kopf gelesen hatte und das geht, ohne dass man es merkt, nicht mit vielen zweistelligen Zahlen), ein Schalalalalawochenende mit db Eva in Hamburg, ein Geschenk, auf das ich noch warten muss, das Buch Kunst aufräumen, das wir leider schon hatten, Post, Anrufe und nette Blogkommentare.
(Nadine, Unterholzbewohner, Yvonne, Claudia, Kadda, Sandy, Andrea, serenity, Herr Paulsen, jette, soulsilence, junimond, Jeanie, Marion, Frau Kathy, wortteufel, landgeflüster und julia: Dankedanke. June: Mehr als Gucken erlaube ich Ihnen im Sommer noch nicht. Moritz Papa, DüneSieben, Pampersfront, nana & LOUIS, Nina’s Mama - Steffi, anne und goodytales: Dankedanke. Feuervogel: Sie sprechen aus Erfahrung? Vielen Dank für das rote Bierchen auf mein Wohl. Martina: Dankedanke. Frau Antje: Sie verwirren mich. Ich hatte doch gestern Geburtstag und auch nichts anderes behauptet. illy, Lisa, giftzwerg, schlapunzel, Daniela, Eva, Ansku und Elmi: Dankedanke.)
Der Kuchen hat übrigens göttlich geschmeckt. Jeder, der in nächster Zeit zum Kaffeetrinken zu mir mir kommt, kann sich schon mal darauf einstellen, dass er diesen Kuchen gebacken bekommt. Und darauf kann man sich wirklich freuen.
Abends dann Kino mit db Eva und die Erkenntnis, dass wir besser hätten Essen gehen sollen. Der Film war okay, aber der Liebste fragte mich mehrmals, ob wir nicht einfach rausgehen sollten, um uns ein nettes Restaurant zu suchen. Wir sind einfach zu alt für so abgedrehte Sachen wie Kino.
So war das.
Tun Sie sich einen Gefallen und kaufen Sie sich dieses Backbuch oder lassen Sie es sich schenken oder laden Sie sich bei jemanden ein, der Ihnen etwas aus dem Buch backt (Danke, Frau DüneSieben).
Ein paar nette Menschen kommen heute in den Genuss, bei mir den Kaffeekuchen essen zu dürfen, der 1. ohne Kaffee ist, 2. schon bei der Zubereitung ein Erlebnis für die Sinne ist und 3. sicherlich den Tag nicht überleben wird.
Also heute. 37.
(Ich verneige mich vor Frau June, weil sie die Dinge auf die Reihe bekommt. Vielen Dank und vielleicht kommen Sie im Sommer einfach mal vorbei und schauen dem Laternchen beim Leuchten und den Antonmenschen beim Mädchenbiertrinken und Kiepchenrauchen zu.)
Ich habe da so eine Drogerieartikelmacke. Lotions, Sprays, Cremes und so mit sensationellen Fähigkeiten ziehen mich magisch an. Gibt’s was Neues, dann will ich’s haben. Und so reihen sich Deos mit Ultralangzeitwirkung, Schaumfestiger mit Volumenkraft, Lotions mit Bräunungseffekt, Haarspülungen mit Durchkämmhilfe, Handcremes mit norwegischer Formel, Fußcremes mit Hornhautwegrubbelpeeling, Gesichtswasser mit Dreiminutenpickelsofortwirkung, Bodylotions zur Hautstaffung, Shampoos für glänzendes Haar und Duschgels mit Feuchtigkeitsdepots in meinem Bad. Das Problem daran ist, dass ich die meisten Sachen davon entweder nur ein paar Mal benutze oder schon bald auf ein neues, gigantisches Produkt stoße, das ich ganz dringend brauche. Also stapeln sich mittlerweile unzählige angefangene Pflegeprodukte in meinem Badezimmer. Bei jedem Badputz schüttel ich den Kopf über mich und nehme mir ganz fest vor, mir erst wieder etwas Neues zu kaufen, wenn alle angefangenen Tiegelchen aufgebraucht sind, aber da macht mir dann die Kosmetikindustrie immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Die erfinden einfach schneller neue Produkte als ich die alten aufbrauchen kann. Ich denke, die leben von so Leuten wie mir. Ein weiteres Problem ist auch, dass ich eigentlich gar nicht so der Ständiginshaarundaufdenkörperschmiertyp bin. Morgens muss es schnell gehen. Duschen, Haarewaschen, Zähneputzen. Fertig. Da ist so eine Sache wie meine neuste Zahncreme mit Strahleweißeffekt eigentlich das Idealste. Am Zähneputzen kommt man eh nicht vorbei und wenn’s dann auch noch ein Hollywoodlächeln zaubert, perfekt. Bis zur nächsten Zahncremesensation.
Mit drei Dingen ist der Herr Koppi heute aus der Schule gekommen: mit einer Eins in der Sachkundearbeit, einer Eins in der Englischarbeit und einem Brief von seiner Klassenlehrerin, in dem sie uns mitteilt, dass Koppi in den letzten Wochen häufig seine Hausaufgsben nicht gemacht hat und uns auffordert, dafür zu sorgen, dass er seine Aufgaben regelmäßig erledigt.
Wie soll ich dem Kind nur verständlich machen, dass Hausaufgaben mit zu den täglichen Aufgaben gehören, wenn es auch ohne diese Aufgaben beneidenswert unbeschwert durchs Leben wandert? Außerdem ist es nicht unbedingt eine Frage des Nichtwollens, sondern des Nichtkönnens. Man KANN seine Hausaufgaben nicht machen, wenn man ständig den dafür notwendigen Kram in der Schule vergisst.
Ich wasche meine Hände in Sterillium.
Das Lottakind mit Magendarminfekt und Herr Anton mit Bindehautentzündung.
So kommt das wahre Meredithfeeling auf.
Der Supergau einer fünfköpfigen Familie heißt: F07 - die blinkende Fehlermeldung unserer Waschmaschine, mit der sie uns unmissverständlich mitteilt, dass ihr Motor hinüber ist. Da gibt es nichts dran zu rütteln oder schön zu reden. F07 ist F07. So als Mutter wünsche ich mir durchaus auch manchmal die Möglichkeit einer solch deutlichen Fehlermeldung. F07, da könnt ihr machen was ihr wollt, ich kann nicht mehr.
12. April 2008 - Knuffilanderöffnung
(Kann hier irgendwer irgendwas hören? Eigentlich müsste es funktionieren, tut es aber bei mir nicht und ich verstehe nicht warum.)
edit:
Auf die Ohren (Anders bekomme ich das hier heute nicht mehr hin. Ich hoffe einfach weiter, dass mir irgendjemand das mit dem schicken Audioplayer erklären kann.)
Frau Ami, manchmal ist mir das fast unheimlich. Den ganzen Tag schon wurschtel ich an meinen nicht gleich langen Socken rum. Die Kinder meinten nun, dass wir vielleicht jeweils eine Socke von der Anderen an hätten.
Ich bin ja lernfähig.
Der Leidensdruck bei der letzten Nasennebenhöhlenentzündung war groß genug, um mich heute zu diesem Gerät greifen zu lassen. Und, was soll ich sagen, nach dem ersten Ohmeingott fand ich es relativ angenehm und durchaus wiederholungswert.
Jeden Morgen beim Frühstück das gleiche Spielchen: Der Herr Anton wünscht sich ein Honigbild auf sein Toast. Was mit einem harmlosen Smiley zur Erheiterung eines kleinen Morgenmuffels anfing, artet mittlerweile in hohe Kunst aus. Heute lautete die Aufgabe Kinderspielzeugladen an Gehweg. Mit zitternder Hand quäle ich die flotte Biene aus der Drückflasche und hoffe, dass das Kind wenigstens ansatzweise mit meinem Werk zufrieden ist. Zum Glück ist es noch recht anspruchslos, nickt meist wortlos und verstreicht den Honig estrichglatt bis in alle Ecken. Honigkunst ist vergänglich.
Es zerrt an den Nerven und kostet unendlich viel Kraft, wenn das Kind zur Zeit nach jedem Mittagsschlaf nach seinem Vater schreit. Und schreit und trampelt, wenn man nur in seine Nähe kommt. Und schreit und trampelt, wenn man sagen muss, dass der Vater gerade nicht da ist.
Wo bleibt denn das Erwachetundlachet?
Seit Montag habe ich N. in meiner Klasse. Er und sein Bruder wurden vom Jugendamt aus der Familie genommen und in einer Wohngruppe untergebracht. Mehr weiß ich nicht. Ach doch, für zwei Jahre sollen die Kinder in der Wohngruppe bleiben. Das hat das Jugendamt wohl so festgelegt und ich habe das in einem Nebensatz von einer Betreuerin gehört, als es um die Taxibeförderung für die Kinder ging. Aber mehr dann auch wirklich nicht. In der letzten Woche hatte ich immer mal kurzen Kontakt mit unterschiedlichen Betreuern, die die Kinder zur Zeit noch bringen und abholen. Da ging es dann um so Sachen wie Materialliste, Quittungen und Stundenplan. Am Freitag nach der letzten Stunde stand dann plötzlich die Mutter von N. vor mir und wollte ihren Sohn abholen. Ich fragte, ob das mit der Wohngruppe so abgesprochen sei und sie antwortete, natürlich, sie habe ja schließlich das Sorgerecht und wolle sowieso darum bitten, dass man bei Fragen oder Problemen immer erst mit ihr Kontakt aufnimmt und nicht mit der Wohngruppe. Als ich kurz darauf zu meinem Auto ging, sah ich, wie N., seine Mutter und ein Mann in ein Auto stiegen und wegfuhren. Mein eh schon ungutes Gefühl wurde zu einem riesigen Klumpen. Also zurück in die Schule und noch mal schnell in die Akte geschaut, die zufällig an dem Tag gerade von der vorherigen Schule bei uns angekommen war. In der Akte, nichts zur Betreuungssituation und die Mutter als Erziehungsberechtigte im Schülerbegleitbogen eingetragen. Für mich also soweit kein Grund irgendwie Alarm zu schlagen und trotzdem fahre ich mit dem feinsten Kopfkino nach Hause. Was könnte alles sein? Mist, wieder mal ärgere ich mich, wie schlecht ich über die Lebenssituation eines Schülers informiert werde. Ich soll mit N. den halben Tag arbeiten und habe keine Ahnung, mit was für einem Päckchen das Kind zu mir kommt. Sicherlich wird N. am Montag fröhlich vor mir stehen, aber ich bin so am Schwimmen und eigentlich wäre das nicht nötig.
Was bedeutet eigentlich “sowieso”?
Warum sieht ein Koffer wie ein Koffer aus?
Wozu hat man Fingernägel?
(Immer ganz kurz vor dem Lichtausundgutenacht.)
Wenn das Kind seit gestern nun offiziell in den Kindergarten geht und heute einen Satz mit neulich im Kindergarten beginnt, dann finde ich das etwas übertrieben.
Heute ist so ein Tag. Ein Gutelaunetag. Bereits am Morgen steppte die kleine innere Bär in mir und versprühte lauter fröhliche Schwingungen. Meine Schüler konnte ich bereits mit meiner guten Laune anstecken, die Familie wird heute Nachmittag ihre Portion abbekommen und für Sie da draußen ist auch noch etwas übrig. Treffen Sie sich mit lieben Menschen, machen Sie etwas Schönes mit Ihren Kindern, kochen Sie ein leckeres Essen, legen Sie Ihre Lieblingscd auf und lassen die Seele etwas hüpfen. Einfach nur so halt.
Selten habe ich so unter der Zeitumstellung gelitten wie in diesem Jahr. Ich fühle mich wie im Dauerjetlag. In den letzten Jahren hatten wir den Uhrenwechsel wenigstens in den Osterferien und man konnte sich langsam auf den neuen Tag-Nacht-Rhythmus einstellen. Aber dieses Jahr, furchtbar. Ich quäle mich jeden Morgen aus dem Bett, um dann mit müden Kindern am Frühstückstisch zu sitzen, um dann vor einer dauergähnenenden Klasse zu stehen, um mich am Ende des Tages zu fühlen als hätte mich ein Trecker überfahren. Was soll der ganze Mist?
Schuhe kauft man doch so, oder? Man geht in einen Laden und sucht sich Schuhe, die einem gefallen, nimmt sich, sofern vorhanden, die richtige Größe und schlüpft in die Schuhe rein. Wenn das Fußgefühl Okay gibt, geht man ein paar Schritte, schaut zwischendurch immer mal wieder an sich runter, hebt die Füße, dreht und wendet den Fuß, um auch einen guten Seitenblick zu bekommen und hebt auch mal die Jeans für den Komplettschuhanblick. Sollte man nicht ganz sicher sein, hilft auch noch ein Blick in den Spiegel. Schuhe an Körper von vorne, von links, von rechts. Und dann irgendwann die Entscheidung, kaufen oder lassen. Alles ganz normal. Oder so.
Wenn das Tochterkind sich Schuhe kauft, ist das irgendwie anders. Da geht es neben dem blanken Aussehen natürlich zunächst auch um das ganze Drumherum. Und so kann ich Ihnen zum Beispiel seit heute Nachmittag genau erzählen, welche Freundin zur Zeit welche Schuhe trägt, dass Schuhe mit schwarzweißem Karomuster absolutly in sind und dass mir Coverse All Star Chucks für Füße im Wachstum einfach zu teuer sind. Auch legt das Tochterkind eine unglaubliche Detailverleibtheit an den Tag, um zu erklären, warum ein bestimmter Schuh nicht so ganz der Eine sei. Da geht es dann um Nähte, Schnürsenkel, Sohlen, Applikationen. Und das kostet Zeit. Wenn unsereins mit knackigem NeinNeinNeinKönnteGehenNein an der Schauhauslage vorbeigeht, hat das Tochterkind jeden Schuhe gedreht und gewendet. Irgendwann kommt dann aber auch der Punkt des Anbrobierens und es passiert etwas ganz Verrücktes. Hat sich das Kind erstmal für ein Paar Schuhe entschieden und steht mit beiden Füßen drin, dann geht es irgendwie gar nicht mehr um die Schuhe, dann geht es …. ums Lebensgefühl. Da steht das Kind vor dem Spiegel und schaut sich nicht etwa die Schuhe an. Nein. Es schaut sich an. Es schaut sich mitten ins Gesicht. Und das scheint zu wissen, dass diese Schuhe die Einen sind, die, in denen es sich leben lässt. Ich finde das grandios.
Touri in ihrem Revier.
6:15 Uhr. Die Wohnzimmertür geht auf und ein schnaufender Ben steht vor mir. Mit einer Selbstverständlichkeit, als sei es das Normalste von der Welt, dass eine schlafende Frau auf dem Sofa liegt, fängst er an mit mir zu plaudern. Es dauert einen kurzen Moment, bis ich realisiere, dass Ben und ich anscheinend die einzigen weit und breit in dieser Wohnung sind, die bereits wach sind, aber dann bin auch schon britzebratzewach und so kommt es, dass 5 Minuten später ein Proffessor Bienlein und eine Frau Antonmann auf dem Sofa sitzen und Baggerprospekte wälzen.
Der Herr Koppi hat sich heute in der Schule Rihanna auf den linken Handrücken geschrieben. Mit Herzchen über dem I. Süß. Heute Nachmittag hat er einem deutschen Fußballnationalspieler, einem von den Guten, die Hand geschüttelt und nun musste ich gerade den Namen auf seinen rechten Handrücken schreiben. Leider gab es in dem Namen kein I, aber das Herzchen konnte ich mir trotzdem nicht verkneifen. Süß.
Obwohl die Muffins so gänzlich wow waren, konnten sie das vorherrschende Brrrgefühl nicht so wirklich verscheuchen. Immer wieder am letzten Ferientag kämpfe ich damit. Auf irgendeine Art und Weise freue ich mich auf die Schule, auf die Kinder, auf das Wiederarbeiten, und trotzdem steht dieser erste Schultag nach den Ferein immer wie eine Wand vor mir. Den ganzen Tag über grüble ich schon darüber nach, woran dies liegen kann. Klar sind Ferien immer eine schöne Zeit: viel Familie, Enspannung, Zeit für Dinge, zu denen man während der Schulzeit nicht kommt, Urlaub, Verabredungen. Aber das ist es nicht nur. Vor allem genieße ich die Unbeschwertheit, die Leichtigkeit des Seins und ich weiß, dass mit dem Ende der Ferien der Lebensrhythmus wieder schwerer sein wird. Ich werde wieder damit zu kämpfen haben, den Spagat zwischen Schule und Familie irgendwie auf die Reihe zu bekommen und ich werde mich wieder mit Facetten des Lebens auseinandersetzen müssen, die von Leichtigkeit weit entfernt sind. Was wird mich morgen erwarten, wenn ich wieder vor meiner Klasse stehe? Mit was für Erlebnissen werden die Kinder aus den Ferien kommen? Während ich mir heute meine Gedanken über den morgigen Tag machte, fiel mir die Geschichte ein, die mir vor ein paar Jahren ein damaliger Schüler nach den Osterferien erzählte. Die Geschichte, die von seinem Vater handelte, der bei einem schlimmen Streit mit seiner Mutter eine Wohnzimmerglastür eingetreten hatte, von seiner Mutter, die die Polizei rufen musste, um den tobenden Vater aus der Wohnung zu bekommen und von Eiern, die den ganzen Streit ausgelöst hatten, weil der Vater sich darüber geärgert hatte, dass die Mutter so viele Ostereier mit ihrem Sohn gefärbt hatte. Ich denke, dass mir auch das ein Stück weit bevor steht, nicht zu wissen, was einen morgen erwartet. Aber, auch wenn dieser letzte Ferientag immer so furchtbar brrrr ist, weiß ich, dass ich morgen aus der Schule kommen werde und sagen kann: Nun ist wieder gut. Nun bin ich wieder drin. Und das ist ein Glück.
Letzter Ferientag, brrrr.
(Schoko-Bananen-Nutella-Muffins sind genau das, was Familie Antonmann heute mal wieder braucht.)
(Danke.)
Ein Osterbrauch aus meiner Kindheit. Der Tisch wird beladen mit Öl, Essig, Tubenkram und Gewürzallerlei. Die hartgekochten Eier werden gepellt und halbiert, wobei die große Kunst beim Halbieren darin besteht, möglichst Eihälften mit zwei gleichgroßen Eigelbs zu erhalten. Vorsichtig löst man das Eigelb aus der Eihälfte und legt es zunächst beiseite. Und dann kommt die große Gewürzschlacht. Alles rein, was rein passt und dabei auf eine einigermaßene Ausgewogenheit achten. So konnte der Herr Koppi gestern feststellen, dass er von zu viel Maggi husten muss und ich, dass mehr als zwei Tropfen Tabasco scharf, scharf, scharf sind. Essig und Öl, dies besonders wegen der besseren Verdaulichkeit, hinzu, Deckel drauf und ir.gend.wie das halbe, gefüllte Ei komplett in den Mund. Köstlich. Als Kind wurde ich von meiner Mutter jedes Jahr genötigt, eine Scheibe Brot zu den Eiern zu essen, weil nur Eier, das geht ja nicht. Das fand ich immer blöd und deshalb durfte der Herr Koppi gestern nur Eier essen. Zwei Stück. Wir sagen zu den Eiern immer Soleier, so wie ich es aus meiner Kindheit kenne, wobei mir irgendwann während meiner Jugend klar wurde, dass man Soleier eigentlich in einer Salzlake einlegt. Ist aber egal, lecker ist lecker.
Es gibt drei große Feste im Dorf sagten unsere neuen Nachbarn, als wir vor fünf Jahren hierher zogen. Eins davon ist das Osterfeuer. Immer Ostersonntag, 18 Uhr. Nebenan, beim Feuerwehrhäuschen, grillt die Freiwillige Feuerwehr und verkauft Getränke aller Art, die Damen vom Roten Kreuz haben einen kleinen Pavillion aufgebaut und verkaufen Salat, mit Knoblauch und ohne Knoblauch. Für die Kinder gibt es warmen Kakao für umsonst, für die Eltern gibt es warmen Kakao gegen Geld, dafür aber mit Schuss. Ein kleines Stück den Feldweg runter, das Osterfeuer. Ab Ostersamstag fahren die Landwirte der näheren Umgebung unermüdlich Grünschnitt an. Trecker für Trecker schieben sich an unserem Haus vorbei. Von unserer Haustür aus sieht man den Osterfeuerberg wachsen.
In unserem ersten Jahr, wir waren gerade ins Haus eingezogen, war ich sehr aufgeregt vor dem Osterfeuerabend. Wir so, als die Neuen im Dorf, wie würden wir uns fühlen, wie würden wir aufgenommen? Zum Osterfeuer zu gehen war für mich damals so etwas wie eine Pflichtaufgabe. Das tat mal also auf dem Dorf, wenn man sich nicht ausgrenzen möchte.
Heute ist unser sechstes Osterfeuer und ich freue mich. Ich freue mich, weil Anton gestern so begeistert die Trecker und den wachsenden Berg beobachtet hat, weil der Herr Koppi schon den ganzen Tag lang dem Abend entgegenfiebert, weil das Osterfeuer so ein Stück Winterbeenden ist, weil man all die Leute aus dem Dorf, die man die letzten Monate über nur im Vorbeifahren oder Vorbeigehen gesehen hat, wiedertrifft, weil man lacht, redet und gute Laune hat, weil dieser Augenblick etwas so Vertrautes, Heimatliches hat, wenn die zwei, die es jedes Jahr machen, sich begleitet von einer großen Menschentraube mit Fackel und Forke auf den Weg zum aufgeschichteten Berg machen, um das Feuer zu entzünden, weil das brennende Osterfeuer in der Dunkelheit warm, leuchtend und faszinierend ist, weil die Kinder kreischend über die Felder toben, weil ich, wenn ich keine Lust mehr habe, einfach nach Hause gehen kann, weil es eben keine Pflichtaufgabe ist, sondern einfach nur eine schöne Tradition.
- Eigentlich wollte ich ja für meine Schnuller so was, wo die Beine artig werden.
- ?
- Wo der Weihnachtsmann immer drauf sitzt.
- ??
- ???
- Ach so.
Heute Nacht wurde getauscht: Schnuller gegen eine Packung Lego Mosaik. Und ohne zu fragen wurde mit den Schnullern auch das letzte Stückchen vom kleinen Herrn Anton mitgenommen. Pffff.
Wir sind dicke drin im Ferienrhythmus.
Das Tochterkind hat Übernachtungsbesuch von der Freundin und fragte soeben Dürfen wir Grey’s gucken? S. hat erzählt, das sei total toll. Hey Mädels, das ist meine Lieblingsserie. So geht das doch nicht.
Morgen, eine Schnupperstunde in der Hasengruppe. Tasche, von hier.
Heute Morgen verkündet das Kind Ich will Bob der Baumeister gucken. Keine Ahnung warum das denn nun plötzlich. Herr Anton hat bisher noch nie den Bob geschaut und ich habe dementsprechend weder konservierte Folgen, noch einen blassen Schimmer, wann und wo der Baumeister im Fernsehen kommt. Heute kam er jedenfalls nicht und ich war so schlau, den Satz Da müssen wir mal Moritz Papa fragen, ich glaube, der kennt sich damit aus dahin zu schnoddern. Eltern von Dreijährigen wissen, dass man jedoch Dinge nicht nur einfach so sagen darf, da diese Dreijährigen die Angewohnheit haben, die Dinge ganz genau zu nehmen. Für Herrn Anton war die Lage klar: Der Papa von Moritz, der kennt sich aus, also fragen wir ihn doch mal. SOFORT. Und da das Kind nicht nur die Dinge ganz genau nimmt, sondern auch noch ein gewisses Maß an Hartnäckigkeit besitzt… Also, lieber Herr Moritz Papa, wie ist das denn nun mit dem Bob, dem Baumeister?
Wenn dem Herrn Anton auf der Autofahrt langweilig wird, dann steckt er sich halt Brötchenknödelchen in seine Nasenlöcher. Das Lottakind hat ganz tapfer mitgeholfen, die Dinger wieder ans Tageslicht zu befördern, aber ein dicker Knubbel sitzt noch unerreichbar im linken Nasenloch. Ungünstig, wenn Kinder noch nicht schnauben können. Und Herr DüneSieben hat uns freundlicherweise über die möglichen Folgeerscheinungen aufgeklärt. Entweder setzt sich das Brötchenbällchen in den Nebenhöhlen fest und entzündet sich oder es fängt an zu schimmeln und zu stinken. Ich hoffe allerdings immer noch, dass es einfach auf einer riesigen Rotzwelle aus dem Nasenloch gespült wird.
Der ReiseReiseCountdown läuft. In drei Stunden werde ich im Zug in Richtung Frau Ami sitzen. Dann wird die Zeit rasen. Ich werde am Sonntag kurz das spinnöse Huhn betaufpaten, um dann huschdiwuschdi wieder im Zug nach Hause zu sitzen. Ein kurzes Schläfchen und der Herr Koppi und ich fahren am Montag der Familie nach Dänemark hinterher. Dänemark. Dänemark. Dänemark. Dänemark. Dänemark. Dänemark. Auf der Rückfahrt wird es dann einen kurzen Absteher zur Dünesiebenfamilie geben und ich habe die große Hoffnung, dass ich gestern so viele Unterhosen eingepackt habe, dass für dieses Zusammentreffen für jeden Antonmenschen noch eine saubere übrig sein wird.
Ich bin höllisch aufgeregt, wegen Ami wiedersehen, wegen mit Herrn Paulsen Seit’ an Seit’ am Taufbecken stehen, wegen DüneSieben und Familie kennenlernen. Ich denke, das ist reichlich. Hier schaltet jetzt alles auf Moderationsbetrieb um. Lassen Sie es sich gutgeh’n und bleiben Sie gesund und fröhlich. Wir lesen uns in einer Woche.
Während ich packe hat das eine Kind beschlossen Wir spielen, dass es regnet. Und während ich versuche, alle meine Gedanken auf das Wesentliche zu konzentrieren, drückt mir das Kind immer wieder einen Kinderschirm in die Hand (Aufspannen!) und ich muss so Sachen sagen wie Oh, so ein Regen oder Gut, dass wir einen Schirm haben.
Das andere Kind hat beschlossen, dass es im Urlaub Lego und Hot Wheels braucht.
Ich glaube, von dem heutigen Besuch im Kuhstall habe ich den ganzen Tag was. Ich dünste aus.
Wenn man nach zwei Mal Versteckenspielen während der Autofahrt keine Lust mehr dazu hat- ist ja auch eine reichlich ermüdende Aktion, wenn man das Kind, welches festgeschnallt in seinem Sitz sitzt, suchen soll - dann fängt das Kind mit seinem Selbstfindungsprogramm an.
Jetzt muss ich mich finden. Wo bin ich denn? Bin ich im Handschuhfach? Bin ich im Kofferraum? Bin ich hinter Papas Sitz? Bin ich hinter Mamas Sitz? Ja, da bin ich ja. Ich hab’ mich gefunden.
Wenn es doch auch sonst so einfach wäre mit der Selbstfindung.
Wie soll ich es schaffen, den ganzen Kram, der hier für die nächsten Tage ansteht, auf die Reihe zu bekommen, wenn ich noch nicht mal in der Lage bin, eine popelige Fertigpizza zu backen ohne dass sie schwarz wird?
Als das Kind bei H&M verloren ging, fand ich es irgendwann in der Dessousabteilung wieder. Schwer beschäftig mit einem schwarzen Spitzen-BH. Wie geht das denn auf, Mama?
Kofferpacken für den Familienurlaub ist ja an sich schon eine Herausforderung, aber das, was diese Woche auf mich zukommt, das ist Kofferpackendelücks.
Eine Tasche für den Herrn Koppi mit Fußballklamotten für Wichtigwichtigfußballturnier und zwei Übernachtungen bei den Großeltern. Ein wönziges Köfferchen für Frau Antonmann mit Taufoutfit, Ichbesuchedieelternvonamioutfit (mein Gott, Ami, uffjerescht) und Lillyfeetaufgeschenk. Mehrere Taschen für Familienurlaub in Dänemark, unterteilt in Sachen, die db Eva, Lottakind und Herr Anton bereits am Samstag mitnehmen, weil auf jeden Fall die ersten zwei Tage in Dänemark benötigt, aber nur das Nötigste, weil nicht so viel Platz im Auto und Sachen, die Herr Koppi und ich dann am Montag mitnehmen. Zusätzlich dazu diverse Überlegungen zur Werfrisstwannwasverpflegung und Werbringtwomitzeitrumbeschäftigung.
Ich seh’ mich schon vor unzähligen Packlisten sitzen, weil mein strukturbedürftiges Hirn sonst Amok laufen würde. Delücks.
Im Bad mit Herrn Anton. So kurz vor Insbettbringen. Den Schnuller schon im Mund.
Mama, Brutus und Caesar waren böse. Und Brutus wollte seinen Vater töten, damit er alleine böse sein kann. Aber das geht doch gar nicht. Brutus und Caesar, die gibt es aber doch gar nicht mehr.
Beim letzten Waldspaziergang mit den Herren Anton und Koppi fanden wir einen kleinen Gummiball, der an einem Seil befestigt ist. So ein Hundespielzeugding. Es bestand der dringende Wunsch, diesen Fund mit nach Hause zu nehmen und da es nun mal nur EIN Ball an EINEM Seil war, bestand auch der dringende Wunsch, sich um den Fund zu streiten. Den ganzen Weg durch den Wald. Die ganze Autofahrt. Zu Hause wurden Ball und Seil von Herrn Koppi liebevoll mit Waschmittel gewaschen und zum Trocknen an den Badewannenwasserhahn gehängt. Da das Objekt der Begierde nun erstmal nass war, konnte sich die Herren mit einem unglaublichen Aufwand weiterhin prima darum streiten, mehr aber auch nicht. Und nun, nun ist das Ding seit einer Woche trocken und liegt unbeachtet und unberührt im Badezimmer.
Nach einem prallen Tag mit drei, eigenen, durchgeknallten Kindern und etlichen, zum Glück nicht eigenen, aber nicht weniger betreuungsintensiven, Kindern, einem Bauch, der schmerzt und einer Seele, die baumeln möchte, zieht sich Frau Antonmann ins Badezimmer zurück für ein gemütliches Schaumbad. Herrlich. Heißes Wasser. Viel Schaum. Buch. 2Füße.
Nach fünf Minuten geht die Tür auf. Db Eva. Ich hab’ so kalte Füße. Darf ich die kurz bei dir mit reinhalten?. Holt sich einen Stuhl. Ein Buch. Herrlich. Heißes Wasser. Viel Schaum. 4Füße.
Nach zwei Minuten geht die Tür auf. Herr Koppi. Ach, hier seit ihr. Darf ich auch meine Füße mit reinhalten? Holt sich ein Buch. Krempelt die Hose hoch. Setzt sich auf den Rand. Herrlich. Schaum an der Hose. Wasser viel zu heiß fürs Kind seine Beine. 6Füße.
Jedoch, 6Füße sind eindeutig zu viel für Seelebaumeln. Nun liegt das Kind alleine in der Wanne. Herrlich. Viel Schaum. Wasser nicht mehr ganz so heiß.
Bei Captchaabfragen mussmussmuss ich immer den Buchstabensalat erlesen. Da breche ich mir einen ab mit vcymnpjt, mbhiq und gvkwfiep. Und freue mich, wenn wenigstens so etwas wie vstykurmr dabei rauskommt.
Der Umgang mit einer Elfjährigen, die morgens vor dem Spiegel steht, um sich die Haare zu frisieren, ist eine extröm heikle Angelegenheit. Bloß kein falsches Wort, weil Töchterlein selber schon dem Überkochen nahe ist. Nur Zurückhaltung, etwas Aufmunterung und etwas Bestätigung, alles in wohldosierten Mengen. Ich komme mir mit meinem toll sehen deine Haare aus, perfekt vor wie ein hilfloser Ehemann, der Umhimmelswillen seiner vordemkleiderschrankstehenden Gattin nichts Falsches sagen will, weil er weiß, dass einer kleiner Wortfunke eine Riesenexplosion auslösen kann.
Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Ich habe schon wieder gebacken. Apfelkrümelkuchen. Db Eva fragte gerade, ob ich mir schon einen Namen überlegt hätte. Das sagt er aber nur so locker, weil er weiß, dass es DAS nun nicht ist.
Wenn man beim Duschen einen quietschenden Nacktfrosch zwischen seinen Beinen sitzen hat, dann ist das pures Duschvergnügen. Für einen.
Manchmal habe ich so Anwandlungen, dass ich sofort und unbedingt etwas Bestimmtes kochen oder backen muss.
Als ich mit dem Lottakind hochschwanger war, war ein extrem heißer Sommer und ich musste einen Apfelstrudel backen. Nun gehört Apfelstrudel nicht zu den wirklich einfachen Dingen im Leben einer Eigentlichniebäckerin und die Katastrophe war vorprogrammiert. Zum Glück hatte ich den Schwangerenbonus und alle lobten mich für die missglückte Mantscherei.
Heute nun stand ich in der Küche und wusste plötzlich, dass ich ein Pflaumenbrot backen muss. Das Rezept ist von meiner Oma, die im letzten Jahr verstorben ist. Es steht auf einem kleinen Schmierblatt, auf dem ich als Kind die Zubereitung aufgeschrieben habe. Pflaumenbrot gehörte mit zu den köstlichsten Dingen, die meine Oma bei jedem Besuch für uns gebacken hat und obwohl ich das Rezept nun schon seit Jahren habe, bestand bisher nie die Notwendigkeit, das Brot selber zu backen. Aber heute. Der Teig darf gerade ruhen und ich hoffe inständig, dass es nachher wenigstens ansatzweise so schmeckt wie bei meiner Oma.
Während ich die Küche putze, verwüsten die Kinder das Wohnzimmer.
Die liebste Freundin und ich, wir führen eine Fernbeziehung und daran musste ich mich am Anfang sehr gewöhnen. Jemanden zu haben, der einem sehr wichtig ist, der aber so weit weg ist, dass ein Ichkommemalebenvorbei vollkommen unmöglich ist, das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Alle meine Lieben habe ich einigermaßen dicht um mich geschart. Freunde sind stets in greifbarer Nähe. Nur die Eine, die ist in der Ferne.
Wir haben viel darüber geredet, wie man mit einer Freundschaft umgehen kann, die auf so wunderliche Weise entstanden und so eng und wichtig geworden ist. Und: wir haben unseren Weg gefunden. Kiepchen am Abend mit gemeinsamen Ein- und Ausatmen am Telefon, Besuchstermine und smssen auf Schritt und Tritt. Damit können wir leben, so halten wir es aus. Richtig mistig wird es jedoch, wenn es der Freundin plötzlich schlecht geht. Dann könnte ich heulen, weil es so weit ist, weil auch jedes noch so häufige Telefonat eine Umarmung nicht ersetzen kann.
Ich frage mich, wie Beziehungen, also Liebesbeziehungen, funktionieren können, die mit einer großen Entfernung leben müssen. Wie schafft das ein Paar? Ich habe nie so eine Erfahrung gemacht, aber ich denke, dass es mich kaputt machen würde. Nähe, wirkliche Nähe, ist durch nichts zu ersetzen.
Wenn man beim Verlassen der Schule weiß, dass man eigentlich ganz nötig auf’s Klo muss, man dort aber nicht mehr gehen will, weil halt Schulklo, Sie wissen schon, dann verbringt man die ganze Autofahrt mit nur einem einzigen Gedanken. Jede kleinste Fahrbahnunebenheit wird zur Qual und jeder Vormirherschleicher wird übel beschimpft. Und diese unglaubliche Erleichterung, endlich zu Hause zu sein und erst mal ganz enspannt *gibt es eigentlich eine brauchbare Alternative zu kacken?* zu können.
Ich finde es… unnötig, wenn der Mann in der GA Werbepause bei jedem Spot sagt Werbung für Frauen.
Für gewöhnlich ist das so: Ich öffne den Schrank unter der Küchenspüle und ein Mülleimer schwingt mir entgegen. Sinnlose Gewalt hat jedoch vor ein paar Tagen dazu geführt, dass es mit dem Schwingen aus ist. Dort wo ehemals der Mülleimer hing, gibt es nun nur noch den freien Blick auf den Küchenboden. Und meinen Sie, ich könnte mir das merken? Tür auf, Kaugummi ausspucken, ach ja, nun liegt es auf dem Boden. Tür auf, Wurstpelle, stimmt ja, der Eimer ist nicht mehr da, nun liegt sie auf dem Boden. Scheiblettenfolie von Herrn Koppis Brot, auf dem Boden. Scheiblettenfolie von Herrn Koppis zweitem Brot, auf dem Boden. Schön sind auch die Krumen vom Frühstücksbrettchen, sorgfältig auf den Boden geschüttet. Der Mann lacht schon über mich, weil ich mir mit meinem Spatzenhirn dieses Mülleimerding einfach nicht merken kann. Gestern Abend allerdings, da hörte ich vom Sofa aus den Bierkronkorken über den Küchenboden klackern. Aha.
Kleingeschnittene Äpfel, Alditrinkpäckchen, Belgische Waffeln und Fernglas. Ich spiele jetzt gute Mutter und umrunde die Burg mit den beiden Jungs. Vorsichtshalber hat Anton noch seine Taschenlampe eingesteckt, falls es plötzlich dunkel werden sollte.
Der kleine Hansi Hinterseer hat sich heute beim Einkaufen diese ultracoole Piratenhaarspange ausgesucht und unmissverständlich darauf bestanden, sie sofort ins Haar geklemmt zu bekommen. Nun liegt der kleine Piratenschatz auf Herrn Antons Nachttisch, nachdem man sich noch einmal von der großen Schwester hat versichern lassen, dass diese ihre Spängelchen nachts auch immer rausnimmt.
Wenn ich beim abendlichen Singen feststelle, das auf Antons Schlafanzug eine fette Eigelbspur vom Frühstück knuspriggetrocknet ist, dann kann ich es auch nicht mehr ändern, ich Rabenmutter ich.
Haben Sie einen Sohn? Dann beginnen Sie beizeiten, einen Vorrat an Hosen in den Größen 128 und 134 anzulegen. Bringen Sie Ihrem Kind auch möglichst frühzeitig bei, Hosen in Kategorien zu sortieren und den entsprechenden Tragesituationen zuzuordnen. Ich denke da an so Kategorien wie: eh alles zu spät, mit Riesenloch, mit kleinem Loch, die EINE Heile. Seien Sie ständig hinterher, dass das Kind die Hosen bedarfsgerecht einsetzt und gegebenenfalls auch einen spontanen Hosenwechsel einlegt. Nehmen Sie zu Situationen, die die EINE Heile erfordern, IMMER auch eine mit Riesenloch mit, denn ihr Sohn wird IMMER Gleichgesinnte finden, mit denen er Dinge tun kann, die man nur mit einer Riesenlochhose tun sollte.
(Sie könnten es natürlich auch darauf anlegen, eine kleines Pflänzlein großzuziehen, ein Pflänzlein, dessen 128er und 134er Hosen noch weitergegeben werden können. Für mich ist dieser Zug längst abgefahren.)
Wenn die liebe Kollegin sich angewöhnt, mir immer mal wieder ein Schokokaramelbonbon unter den Scheibenwischer zu klemmen, dann kann mir das durchaus auch den Tag retten.
(Merke mir: Ein Karamelbonbon bei den derzeitigen Temperaturen über längere Zeit an der frischen Luft wird hartharthart.)
(Und nur so: Ich finde diese kleinen Kärtchen mit Meine Güte, was haben Sie für ein tolles Auto. Darf ich das bitteschön kaufen? ja so nervig.)
Was willst du denn trinken? Einen warmen Kakao. Aber du magst doch gar keinen warmen Kakao. Will aber. Bist du dir ganz sicher? Ich kann dir doch auch eine Milch machen. Nein, ich will Kakao.
…
Ich mag den nicht. Aber du hast doch gesagt, dass du einen warmen Kakao möchtest. Ich will keinen Kakao. Aber du wolltest den doch so gerne. Warmer Kakao ist scheiße.
…
Koppi, möchtest du den Kakao von Little Britain Anton? Ja, gerne.
…
Ich will auch warmen Kakao.
Musst du auf Toilette, Anton? - Nein, ich tanze nur. 20 Sekunden später wird das Tanzen zum Steppen und das Kind schreit: Wer tanzt, der muss mal.
Heute, sprach der Herr Koppi, da gehen die L. und die S. und der A. und ich ins Einkaufzentrum zum Bummeln. Zum BUMMELN. Mir war nicht bewusst, dass dieses Wort zum aktiven Wortschatz meines Sohnes gehört.
*
Mama, sprach der Herr Koppi, stell dir vor, wir waren in vier Geschäften und die L. konnte sich erst im fünften Geschäft für etwas entscheiden. Frauen, sagt db Eva und grinst. Ja, sagt Herr Koppi, das haben der A. und ich auch gesagt.
Ich muss Abstriche machen, es hilft nichts. Wenn ich aus der Schule komme und mein Feedreader mir freudestrahlend mitteilt, dass er am Vormittag ganz fleißig 100 Beiträge für mich aufgesammelt hat, dann merke ich, das ist zu viel, ich kann das nicht mehr. Auf jeden Fall zur Zeit nicht. Meine Schüler schreien Bring uns was bei. Meine Kinder schreien Spiel mit uns. Erziehe uns. Sei für uns da. Mei




