N.
5. April 2008
Seit Montag habe ich N. in meiner Klasse. Er und sein Bruder wurden vom Jugendamt aus der Familie genommen und in einer Wohngruppe untergebracht. Mehr weiß ich nicht. Ach doch, für zwei Jahre sollen die Kinder in der Wohngruppe bleiben. Das hat das Jugendamt wohl so festgelegt und ich habe das in einem Nebensatz von einer Betreuerin gehört, als es um die Taxibeförderung für die Kinder ging. Aber mehr dann auch wirklich nicht. In der letzten Woche hatte ich immer mal kurzen Kontakt mit unterschiedlichen Betreuern, die die Kinder zur Zeit noch bringen und abholen. Da ging es dann um so Sachen wie Materialliste, Quittungen und Stundenplan. Am Freitag nach der letzten Stunde stand dann plötzlich die Mutter von N. vor mir und wollte ihren Sohn abholen. Ich fragte, ob das mit der Wohngruppe so abgesprochen sei und sie antwortete, natürlich, sie habe ja schließlich das Sorgerecht und wolle sowieso darum bitten, dass man bei Fragen oder Problemen immer erst mit ihr Kontakt aufnimmt und nicht mit der Wohngruppe. Als ich kurz darauf zu meinem Auto ging, sah ich, wie N., seine Mutter und ein Mann in ein Auto stiegen und wegfuhren. Mein eh schon ungutes Gefühl wurde zu einem riesigen Klumpen. Also zurück in die Schule und noch mal schnell in die Akte geschaut, die zufällig an dem Tag gerade von der vorherigen Schule bei uns angekommen war. In der Akte, nichts zur Betreuungssituation und die Mutter als Erziehungsberechtigte im Schülerbegleitbogen eingetragen. Für mich also soweit kein Grund irgendwie Alarm zu schlagen und trotzdem fahre ich mit dem feinsten Kopfkino nach Hause. Was könnte alles sein? Mist, wieder mal ärgere ich mich, wie schlecht ich über die Lebenssituation eines Schülers informiert werde. Ich soll mit N. den halben Tag arbeiten und habe keine Ahnung, mit was für einem Päckchen das Kind zu mir kommt. Sicherlich wird N. am Montag fröhlich vor mir stehen, aber ich bin so am Schwimmen und eigentlich wäre das nicht nötig.

5. April 2008 at 14:33
oh, Ihr ungutes Gefühl kann ich nachvollziehen, Frau Antonmann. Ich selbst würde in dieser Situation immer wieder darüber nachdenken…
Ich wünsche Ihnen trotzdem ein schönes und erholsames Wochenende.
5. April 2008 at 17:04
da hätte ich allerdings auch ein ungutes Gefühl.
Aber wie Sie sagen, am Montag ist alles beim alten.
5. April 2008 at 20:44
Sehr seltsame Konstellation, vom Jugendamt wog von den Eltern in eienr Wohngruppe gebracht und trotzdem ist die Mutter “zuständig”. Da ist ihr ungutes Gefühl nur zu verständlich.
6. April 2008 at 9:36
Nun, das ist ja auch eine Erfahrungssache. Beim nächsten Mal wissen Sie, welche Fragen Sie den Betreuern stellen wollen. Bohren Sie denen mal ein paar Löcher in den Bauch! Die haben ja auch Interesse an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.
Übrigens werden Kinder nicht nur aus Familien “genommen”, sondern auch im Einvernehmen mit der Familie extern untergebracht. Vielleicht ist das ja in dem Fall auch so.
6. April 2008 at 9:55
Ich hätte in diesem Fall aber eine Erklärung der Mutter angemessen gefunden. Bei uns ist es ja derzeit nichts anderes, bloß ist meine Schwester nicht in einer WG, sondern eben bei uns untergebracht. Alles in Absprache mit meiner Mutter und dem Jugendamt. Ich war aber gleich am ersten Schultag sowohl bei der Direktorin als auch beim Klassenvorstand, um etwaige Fragen zu beantworten und zu erklären warum das so ist und welche Probleme es in der letzten Schule gab, usw…
6. April 2008 at 14:27
Naja, auch wenn die Mutter das Sorgerecht hat…welches sowieso nur sehr selten entzogen wird, heißt es nicht, daß sie auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht weiterhin hat. Ich hoffe sehr, daß alles gut geangen ist.
Habe selbst sieben Jahre in einer Wohngruppe gearbeitet. Dumm nur, wenn die MA die zuständigen Behörden, Schulen etc. nicht ausreichend informieren.
7. April 2008 at 10:42
War N. wieder da?
(Mich ließ es das Wochenende über nun irgendwie gar nicht los)
7. April 2008 at 14:47
[...] April 2008 in Frau Lehrerin Meine Sorgen waren zum Glück unbegründet. N. stand heute Morgen gesund und munter vor mir und ein Gesprächstermin mit der Betreuerin ist [...]
7. April 2008 at 20:51
Na Gott sei Dank.
Mir wäre es da ähnlich ergangen.
Dieses Gefühl irgend etwas nicht richtig gemacht zu haben ist Ihnen sicherlich als Lehrerin nur allzugut bekannt. Aber man kann einfach nicht alles im Griff haben.
Liebe Grüße