Schuhe kauft man doch so, oder? Man geht in einen Laden und sucht sich Schuhe, die einem gefallen, nimmt sich, sofern vorhanden, die richtige Größe und schlüpft in die Schuhe rein. Wenn das Fußgefühl Okay gibt, geht man ein paar Schritte, schaut zwischendurch immer mal wieder an sich runter, hebt die Füße, dreht und wendet den Fuß, um auch einen guten Seitenblick zu bekommen und hebt auch mal die Jeans für den Komplettschuhanblick. Sollte man nicht ganz sicher sein, hilft auch noch ein Blick in den Spiegel. Schuhe an Körper von vorne, von links, von rechts. Und dann irgendwann die Entscheidung, kaufen oder lassen. Alles ganz normal. Oder so.

Wenn das Tochterkind sich Schuhe kauft, ist das irgendwie anders. Da geht es neben dem blanken Aussehen natürlich zunächst auch um das ganze Drumherum. Und so kann ich Ihnen zum Beispiel seit heute Nachmittag genau erzählen, welche Freundin zur Zeit welche Schuhe trägt, dass Schuhe mit schwarzweißem Karomuster absolutly in sind und dass mir Coverse All Star Chucks für Füße im Wachstum einfach zu teuer sind. Auch legt das Tochterkind eine unglaubliche Detailverleibtheit an den Tag, um zu erklären, warum ein bestimmter Schuh nicht so ganz der Eine sei. Da geht es dann um Nähte, Schnürsenkel, Sohlen, Applikationen. Und das kostet Zeit. Wenn unsereins mit knackigem NeinNeinNeinKönnteGehenNein an der Schauhauslage vorbeigeht, hat das Tochterkind jeden Schuhe gedreht und gewendet. Irgendwann kommt dann aber auch der Punkt des Anbrobierens und es passiert etwas ganz Verrücktes. Hat sich das Kind erstmal für ein Paar Schuhe entschieden und steht mit beiden Füßen drin, dann geht es irgendwie gar nicht mehr um die Schuhe, dann geht es …. ums Lebensgefühl. Da steht das Kind vor dem Spiegel und schaut sich nicht etwa die Schuhe an. Nein. Es schaut sich an. Es schaut sich mitten ins Gesicht. Und das scheint zu wissen, dass diese Schuhe die Einen sind, die, in denen es sich leben lässt. Ich finde das grandios.