Es gibt drei große Feste im Dorf sagten unsere neuen Nachbarn, als wir vor fünf Jahren hierher zogen. Eins davon ist das Osterfeuer. Immer Ostersonntag, 18 Uhr. Nebenan, beim Feuerwehrhäuschen, grillt die Freiwillige Feuerwehr und verkauft Getränke aller Art, die Damen vom Roten Kreuz haben einen kleinen Pavillion aufgebaut und verkaufen Salat, mit Knoblauch und ohne Knoblauch. Für die Kinder gibt es warmen Kakao für umsonst, für die Eltern gibt es warmen Kakao gegen Geld, dafür aber mit Schuss. Ein kleines Stück den Feldweg runter, das Osterfeuer. Ab Ostersamstag fahren die Landwirte der näheren Umgebung unermüdlich Grünschnitt an. Trecker für Trecker schieben sich an unserem Haus vorbei. Von unserer Haustür aus sieht man den Osterfeuerberg wachsen.
In unserem ersten Jahr, wir waren gerade ins Haus eingezogen, war ich sehr aufgeregt vor dem Osterfeuerabend. Wir so, als die Neuen im Dorf, wie würden wir uns fühlen, wie würden wir aufgenommen? Zum Osterfeuer zu gehen war für mich damals so etwas wie eine Pflichtaufgabe. Das tat mal also auf dem Dorf, wenn man sich nicht ausgrenzen möchte.
Heute ist unser sechstes Osterfeuer und ich freue mich. Ich freue mich, weil Anton gestern so begeistert die Trecker und den wachsenden Berg beobachtet hat, weil der Herr Koppi schon den ganzen Tag lang dem Abend entgegenfiebert, weil das Osterfeuer so ein Stück Winterbeenden ist, weil man all die Leute aus dem Dorf, die man die letzten Monate über nur im Vorbeifahren oder Vorbeigehen gesehen hat, wiedertrifft, weil man lacht, redet und gute Laune hat, weil dieser Augenblick etwas so Vertrautes, Heimatliches hat, wenn die zwei, die es jedes Jahr machen, sich begleitet von einer großen Menschentraube mit Fackel und Forke auf den Weg zum aufgeschichteten Berg machen, um das Feuer zu entzünden, weil das brennende Osterfeuer in der Dunkelheit warm, leuchtend und faszinierend ist, weil die Kinder kreischend über die Felder toben, weil ich, wenn ich keine Lust mehr habe, einfach nach Hause gehen kann, weil es eben keine Pflichtaufgabe ist, sondern einfach nur eine schöne Tradition.



11 comments
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23. März 2008 um 18:34
DüneSieben
Und, hätten Sie sich früher träumen lassen mal so normal (um nicht zu sagen “spießig”) zu werden, an so etwas Freude zu haben? ;)
Bei uns auch Osterfeuer - allerdings nur bei Nachbarn gegenüber - aber auch eine schöne Tradition! Ich bin inzwischen ein Freund von Traditionen geworden!
23. März 2008 um 20:03
Laula
Ich wäre so gern zum Osterfeuer gegangen, endlich mal wieder nach langer Abstinenz. Leute treffen, die man nur zwei mal im Jahr trifft: zum Oserfeuer und zum Schützenfest. Aber, was soll ich sagen, schon wieder alle krank! So richtig blöd! Zu Hause werden die Taschentücher schon gezählt und es kann geraten werden, wer welche Temperatur hat und wer das letzte Husten war …
Aber trotzdem: Frohe Ostern, ihr lieben Antonmänner!
23. März 2008 um 20:20
tonni
Ich wünsche Ihnen allen ein ganz tolles, nettes Osterfeuerbeisammensein!!!
23. März 2008 um 23:16
bastelwelt
Bei uns gibt es nur das Maifeuer, aber das ist auch eines der Highlights hier auf dem Dorf. Aber Alt und Jung trifft sich, hat Spaß und es wird gefeiert bis spät in die Nacht…
24. März 2008 um 12:36
Ansku
Ich hab bedauerlicherweise noch nie ein Osterfeuer miterlebt,(weil mitten in der Nacht dafür aufstehen, das geht ja nicht - ich bin ja schließlich Studentin ;) ) und hier in der großen großen Stadt (wenngleich auch wir am Stadtrand wohnen) gibt’s natürlich nicht so einfach mal eben Osterfeuer im Garten nebenan. Find ich sehr traurig, ich will auch Osterfeuer, aber nie klappt das.
24. März 2008 um 15:46
wortman
frohe ostern erstmal :)
öööh… hab ich das richtig verstanden? keine ahnung vom osterfeuer gehabt? ich dachte immer, dass wäre überall normal :)
@ansku: osterfeuer fangen abends an nicht mitten in der nacht. sonst könnten kinder ja gar nicht dabei sein ;)
24. März 2008 um 17:31
Frau Antonmann
DüneSieben
Ich liebe es, mit bzw. für die Kinder Traditionen zu installieren.
Laula
Euch auch frohe Ostern gehabt zu haben. Hoffentlich seid ihr bald alle wieder fit. Sehen wir uns zu D.’s Geburtstagsbrunch?
Ansku
18 Uhr müsste doch auch für Studenten zu schaffen sein, oder? ;))
wortman
Der Brauch des Osterfeuers war mir natürlich bekannt. In meiner Kindheit sind wir jedoch nie zum Osterfeuer gegangen.
24. März 2008 um 20:27
Laula
Jawoll! Dann hoffentlich auch ohne Fieber, Schniefnase, Hundebellhusten und überhaupt einfach gesund! Der kleine Herr Antonmann ist doch wohl auch dabei?
Gruß!!
24. März 2008 um 22:41
Ansku
@Wortmann und Frau Antomann: Jaaa schon, ist auch vor allem irgendwie klüger um 18 Uhr, so für Studenten und Kinder… Aber es gibt doch auch die in der Osternacht um 3 Uhr, also ziemlich genau dann, wenn Jesus auferstanden ist, oder nicht? Ehrlich gesagt, hab ich das immer so gehört. Oder gibt’s das nur in Bayern?? Jetzt bin ich verwirrt.
25. März 2008 um 14:26
Frau Antonmann
Osternacht gibt es hier auch, ist aber eine kirchliche “Veranstaltung” mit Gottesdienst in den Nachtstunden.
25. März 2008 um 14:58
wortman
als “heide” bin ich mit den jesussachen auf kriegsfuß ;)
ich meinte eher das normale osterfeuer für jedermann :)
@frauantonmann: das hab ich dann falsch interpretiert. klang so, als hätte osterfeuer dort nicht gegeben ;)