Es gibt drei große Feste im Dorf sagten unsere neuen Nachbarn, als wir vor fünf Jahren hierher zogen. Eins davon ist das Osterfeuer. Immer Ostersonntag, 18 Uhr. Nebenan, beim Feuerwehrhäuschen, grillt die Freiwillige Feuerwehr und verkauft Getränke aller Art, die Damen vom Roten Kreuz haben einen kleinen Pavillion aufgebaut und verkaufen Salat, mit Knoblauch und ohne Knoblauch. Für die Kinder gibt es warmen Kakao für umsonst, für die Eltern gibt es warmen Kakao gegen Geld, dafür aber mit Schuss. Ein kleines Stück den Feldweg runter, das Osterfeuer. Ab Ostersamstag fahren die Landwirte der näheren Umgebung unermüdlich Grünschnitt an. Trecker für Trecker schieben sich an unserem Haus vorbei. Von unserer Haustür aus sieht man den Osterfeuerberg wachsen.

In unserem ersten Jahr, wir waren gerade ins Haus eingezogen, war ich sehr aufgeregt vor dem Osterfeuerabend. Wir so, als die Neuen im Dorf, wie würden wir uns fühlen, wie würden wir aufgenommen? Zum Osterfeuer zu gehen war für mich damals so etwas wie eine Pflichtaufgabe. Das tat mal also auf dem Dorf, wenn man sich nicht ausgrenzen möchte.

Heute ist unser sechstes Osterfeuer und ich freue mich. Ich freue mich, weil Anton gestern so begeistert die Trecker und den wachsenden Berg beobachtet hat, weil der Herr Koppi schon den ganzen Tag lang dem Abend entgegenfiebert, weil das Osterfeuer so ein Stück Winterbeenden ist, weil man all die Leute aus dem Dorf, die man die letzten Monate über nur im Vorbeifahren oder Vorbeigehen gesehen hat, wiedertrifft, weil man lacht, redet und gute Laune hat, weil dieser Augenblick etwas so Vertrautes, Heimatliches hat, wenn die zwei, die es jedes Jahr machen, sich begleitet von einer großen Menschentraube mit Fackel und Forke auf den Weg zum aufgeschichteten Berg machen, um das Feuer zu entzünden, weil das brennende Osterfeuer in der Dunkelheit warm, leuchtend und faszinierend ist, weil die Kinder kreischend über die Felder toben, weil ich, wenn ich keine Lust mehr habe, einfach nach Hause gehen kann, weil es eben keine Pflichtaufgabe ist, sondern einfach nur eine schöne Tradition.