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Nach einem prallen Tag mit drei, eigenen, durchgeknallten Kindern und etlichen, zum Glück nicht eigenen, aber nicht weniger betreuungsintensiven, Kindern, einem Bauch, der schmerzt und einer Seele, die baumeln möchte, zieht sich Frau Antonmann ins Badezimmer zurück für ein gemütliches Schaumbad. Herrlich. Heißes Wasser. Viel Schaum. Buch. 2Füße.
Nach fünf Minuten geht die Tür auf. Db Eva. Ich hab’ so kalte Füße. Darf ich die kurz bei dir mit reinhalten?. Holt sich einen Stuhl. Ein Buch. Herrlich. Heißes Wasser. Viel Schaum. 4Füße.
Nach zwei Minuten geht die Tür auf. Herr Koppi. Ach, hier seit ihr. Darf ich auch meine Füße mit reinhalten? Holt sich ein Buch. Krempelt die Hose hoch. Setzt sich auf den Rand. Herrlich. Schaum an der Hose. Wasser viel zu heiß fürs Kind seine Beine. 6Füße.
Jedoch, 6Füße sind eindeutig zu viel für Seelebaumeln. Nun liegt das Kind alleine in der Wanne. Herrlich. Viel Schaum. Wasser nicht mehr ganz so heiß.
Bei Captchaabfragen mussmussmuss ich immer den Buchstabensalat erlesen. Da breche ich mir einen ab mit vcymnpjt, mbhiq und gvkwfiep. Und freue mich, wenn wenigstens so etwas wie vstykurmr dabei rauskommt.
Am Montag habe ich die Mutter von F. kennengelernt. Lange, glatte, rotbraune Haare, etwas rausgewachsen, es schimmert blond an den Ansätzen. Ich habe sie morgens beim Bringen gesehen und kurz mit ihr gesprochen. Ich habe sie Mittags beim Abholen gesehen und ein langes Gespräch mit ihr geführt. Ich habe sie gestern wieder zweimal gesehen, beim Bringen und beim Abholen. Heute wurde das Kind von einer anderen Frau gebracht. Kurze, gelockte, rotblonde Haare. Die Familienähnlichkeit ließ nur einen Schluss zu: das ist die Schwester der Mutter. Also begrüßte ich die Frau mit einem fröhlichen Guten Morgen, Sie sind also die Tante von F.? Schön, dass wir uns kennenlernen. In dem Moment, in dem die Frau anfängt zu sprechen, fühle ich mich bestätigt, die sieht ihrer Schwester nicht nur unheimlich ähnlich, die spricht auch noch genau wie sie. Leider sagt die Frau dann: Nein, immer noch die Mutter. Oh, häh, aber die Haare? Und kurz bevor ich noch weiter in dem Napf rumtrampel und sie frage, ob sie beim Frisör gewesen sei, wird mir klar, dass sie die letzten beiden Tage ein Perücke aufgehabt hatte. Gut, also keine rausgewachsene Tönung, nur ein schlecht sitzendes Ersatzhaar. Und gut, dass gerade die anderen Kinder kommen und ich mich irgendwie aus der Nummer rauswinden kann.
(Später, als die Mutter weg ist, unterhalte ich mich mit F. über die Haare seiner Mutter. Wenn meine Mutter keine Lust mehr auf lange Haare hat, schwups, nimmt sie sie ab.)
Der Umgang mit einer Elfjährigen, die morgens vor dem Spiegel steht, um sich die Haare zu frisieren, ist eine extröm heikle Angelegenheit. Bloß kein falsches Wort, weil Töchterlein selber schon dem Überkochen nahe ist. Nur Zurückhaltung, etwas Aufmunterung und etwas Bestätigung, alles in wohldosierten Mengen. Ich komme mir mit meinem toll sehen deine Haare aus, perfekt vor wie ein hilfloser Ehemann, der Umhimmelswillen seiner vordemkleiderschrankstehenden Gattin nichts Falsches sagen will, weil er weiß, dass einer kleiner Wortfunke eine Riesenexplosion auslösen kann.
Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Ich habe schon wieder gebacken. Apfelkrümelkuchen. Db Eva fragte gerade, ob ich mir schon einen Namen überlegt hätte. Das sagt er aber nur so locker, weil er weiß, dass es DAS nun nicht ist.
Elterngespräche, tja Elterngespräche.
In meinem ersten Berufsjahr waren Elterngespräche das Schrecklichste, was mir passieren konnte. Man hatte mich gut darauf vorbereitet, wie ich mit Schülern umzugehen habe, aber Eltern. Brrrr. Wenn die nun plötzlich was von mir wissen wollten und ich so schnell keine passende Antwort darauf hatte. Wenn die mit nichts außer Vorwürfen kamen und man vom ersten Augenblick in die Verteidigung gehen musste. Es gibt Elterngespräche, an die erinnere ich mich mit Grausen.
Mittlerweile habe ich viele Elterngespräche geführt. Auf der Lehrer- und auf der Elternseite. Und das ist übrigens eine nicht zu verachtende Erfahrung, dass ich immer wieder auch den Blick von der Elternseite nachvollziehen kann.
Elterngespräche machen mir mittlerweile keine Angst mehr. Trotzdem gibt es Elterngespräche, die einem sehr bevor stehen. Aus so vielen unterschiedlichen Gründen. Weil man mit den Eltern etwas besprechen muss, was schwer für die Eltern sein wird. Oder weil man weiß, dass die Eltern sehr schwierig und wenig gesprächsbereit sein werden. Oder weil man weiß, dass das Gespräch eine Gratwanderung wird. Eine Gratwanderung, um das zu erreichen, was man für das Kind erreichen möchte.
Es gibt Elterngespräche, die sollte man nur zu zweit führen.
Es gibt Elterngespräche, bei denen redet man über alles, nur nicht über das Kind.
Es gibt auch so Stelldirvorwasmirpassiertistgespräche unter Lehrern. Der Kollege erzählte, dass beim letzten Elterngespräch die Mutter mit einer Tüte Chips reinkam und während des ganzen Gesprächs gefuttert hat.
Die liebste Kollegin musste mal ein Gespräch führen, bei dem es um ganz viel ging und da war vorher unter anderem auch die Frage des eigenen Outfits, so mit allem Drum und Dran, wichtig.
Ich hatte heute ein Elterngespräch, einigermaßen nett angezogen und gepflegtes Drum und Dran, und mir gegenüber Eltern, die nicht so viel Wert auf das Einigermaßen und schon gar nicht auf das Drum und Dran legen. Mitten im Gespräch ging es mir durch den Kopf, die Frage, wie ich auf diese Eltern wirke. Ob ich sie verunsichere, ob ich ihnen Angst mache? Ich versuche, mich in der Art und Weise wie ich mit ihnen kommuniziere, ganz stark auf sie einzulassen und trotzdem bin ich mir sehr sicher, dass meine Kompetenz und meine Erscheinung den Eltern deutlich machen, dass wir uns nicht auf einer Ebene begegnen. Und bei aller Empathie muss ich sagen, das ist einfach so.
Wenn man beim Duschen einen quietschenden Nacktfrosch zwischen seinen Beinen sitzen hat, dann ist das pures Duschvergnügen. Für einen.
Manchmal habe ich so Anwandlungen, dass ich sofort und unbedingt etwas Bestimmtes kochen oder backen muss.
Als ich mit dem Lottakind hochschwanger war, war ein extrem heißer Sommer und ich musste einen Apfelstrudel backen. Nun gehört Apfelstrudel nicht zu den wirklich einfachen Dingen im Leben einer Eigentlichniebäckerin und die Katastrophe war vorprogrammiert. Zum Glück hatte ich den Schwangerenbonus und alle lobten mich für die missglückte Mantscherei.
Heute nun stand ich in der Küche und wusste plötzlich, dass ich ein Pflaumenbrot backen muss. Das Rezept ist von meiner Oma, die im letzten Jahr verstorben ist. Es steht auf einem kleinen Schmierblatt, auf dem ich als Kind die Zubereitung aufgeschrieben habe. Pflaumenbrot gehörte mit zu den köstlichsten Dingen, die meine Oma bei jedem Besuch für uns gebacken hat und obwohl ich das Rezept nun schon seit Jahren habe, bestand bisher nie die Notwendigkeit, das Brot selber zu backen. Aber heute. Der Teig darf gerade ruhen und ich hoffe inständig, dass es nachher wenigstens ansatzweise so schmeckt wie bei meiner Oma.
Während ich die Küche putze, verwüsten die Kinder das Wohnzimmer.
Die liebste Freundin und ich, wir führen eine Fernbeziehung und daran musste ich mich am Anfang sehr gewöhnen. Jemanden zu haben, der einem sehr wichtig ist, der aber so weit weg ist, dass ein Ichkommemalebenvorbei vollkommen unmöglich ist, das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Alle meine Lieben habe ich einigermaßen dicht um mich geschart. Freunde sind stets in greifbarer Nähe. Nur die Eine, die ist in der Ferne.
Wir haben viel darüber geredet, wie man mit einer Freundschaft umgehen kann, die auf so wunderliche Weise entstanden und so eng und wichtig geworden ist. Und: wir haben unseren Weg gefunden. Kiepchen am Abend mit gemeinsamen Ein- und Ausatmen am Telefon, Besuchstermine und smssen auf Schritt und Tritt. Damit können wir leben, so halten wir es aus. Richtig mistig wird es jedoch, wenn es der Freundin plötzlich schlecht geht. Dann könnte ich heulen, weil es so weit ist, weil auch jedes noch so häufige Telefonat eine Umarmung nicht ersetzen kann.
Ich frage mich, wie Beziehungen, also Liebesbeziehungen, funktionieren können, die mit einer großen Entfernung leben müssen. Wie schafft das ein Paar? Ich habe nie so eine Erfahrung gemacht, aber ich denke, dass es mich kaputt machen würde. Nähe, wirkliche Nähe, ist durch nichts zu ersetzen.
Wenn man beim Verlassen der Schule weiß, dass man eigentlich ganz nötig auf’s Klo muss, man dort aber nicht mehr gehen will, weil halt Schulklo, Sie wissen schon, dann verbringt man die ganze Autofahrt mit nur einem einzigen Gedanken. Jede kleinste Fahrbahnunebenheit wird zur Qual und jeder Vormirherschleicher wird übel beschimpft. Und diese unglaubliche Erleichterung, endlich zu Hause zu sein und erst mal ganz enspannt *gibt es eigentlich eine brauchbare Alternative zu kacken?* zu können.
Ich finde es… unnötig, wenn der Mann in der GA Werbepause bei jedem Spot sagt Werbung für Frauen.
Für gewöhnlich ist das so: Ich öffne den Schrank unter der Küchenspüle und ein Mülleimer schwingt mir entgegen. Sinnlose Gewalt hat jedoch vor ein paar Tagen dazu geführt, dass es mit dem Schwingen aus ist. Dort wo ehemals der Mülleimer hing, gibt es nun nur noch den freien Blick auf den Küchenboden. Und meinen Sie, ich könnte mir das merken? Tür auf, Kaugummi ausspucken, ach ja, nun liegt es auf dem Boden. Tür auf, Wurstpelle, stimmt ja, der Eimer ist nicht mehr da, nun liegt sie auf dem Boden. Scheiblettenfolie von Herrn Koppis Brot, auf dem Boden. Scheiblettenfolie von Herrn Koppis zweitem Brot, auf dem Boden. Schön sind auch die Krumen vom Frühstücksbrettchen, sorgfältig auf den Boden geschüttet. Der Mann lacht schon über mich, weil ich mir mit meinem Spatzenhirn dieses Mülleimerding einfach nicht merken kann. Gestern Abend allerdings, da hörte ich vom Sofa aus den Bierkronkorken über den Küchenboden klackern. Aha.
Kleingeschnittene Äpfel, Alditrinkpäckchen, Belgische Waffeln und Fernglas. Ich spiele jetzt gute Mutter und umrunde die Burg mit den beiden Jungs. Vorsichtshalber hat Anton noch seine Taschenlampe eingesteckt, falls es plötzlich dunkel werden sollte.
Manchmal weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
Ein Schüler erzählt heute, dass sich seine Eltern einen Hund gekauft haben. Ein Hundemädchen. Große Aufregung in der Klasse, viele Fragen. Und dann sagt einer Ein Hundemädchen, das ist toll, da könnt ihr Babyhunde rausholen und dann habt ihr ganz viele.
Die Formulierung ist zum Lachen. Das Bild, das dieser Junge von der Welt um ihn herum hat, ist zum Weinen.
Der kleine Hansi Hinterseer hat sich heute beim Einkaufen diese ultracoole Piratenhaarspange ausgesucht und unmissverständlich darauf bestanden, sie sofort ins Haar geklemmt zu bekommen. Nun liegt der kleine Piratenschatz auf Herrn Antons Nachttisch, nachdem man sich noch einmal von der großen Schwester hat versichern lassen, dass diese ihre Spängelchen nachts auch immer rausnimmt.
Wenn ich beim abendlichen Singen feststelle, das auf Antons Schlafanzug eine fette Eigelbspur vom Frühstück knuspriggetrocknet ist, dann kann ich es auch nicht mehr ändern, ich Rabenmutter ich.
Haben Sie einen Sohn? Dann beginnen Sie beizeiten, einen Vorrat an Hosen in den Größen 128 und 134 anzulegen. Bringen Sie Ihrem Kind auch möglichst frühzeitig bei, Hosen in Kategorien zu sortieren und den entsprechenden Tragesituationen zuzuordnen. Ich denke da an so Kategorien wie: eh alles zu spät, mit Riesenloch, mit kleinem Loch, die EINE Heile. Seien Sie ständig hinterher, dass das Kind die Hosen bedarfsgerecht einsetzt und gegebenenfalls auch einen spontanen Hosenwechsel einlegt. Nehmen Sie zu Situationen, die die EINE Heile erfordern, IMMER auch eine mit Riesenloch mit, denn ihr Sohn wird IMMER Gleichgesinnte finden, mit denen er Dinge tun kann, die man nur mit einer Riesenlochhose tun sollte.
(Sie könnten es natürlich auch darauf anlegen, eine kleines Pflänzlein großzuziehen, ein Pflänzlein, dessen 128er und 134er Hosen noch weitergegeben werden können. Für mich ist dieser Zug längst abgefahren.)
Wenn die liebe Kollegin sich angewöhnt, mir immer mal wieder ein Schokokaramelbonbon unter den Scheibenwischer zu klemmen, dann kann mir das durchaus auch den Tag retten.
(Merke mir: Ein Karamelbonbon bei den derzeitigen Temperaturen über längere Zeit an der frischen Luft wird hartharthart.)
(Und nur so: Ich finde diese kleinen Kärtchen mit Meine Güte, was haben Sie für ein tolles Auto. Darf ich das bitteschön kaufen? ja so nervig.)
Da.
Ahhhrgrrrhrahbährahbähuaaaahwäwä.
(Fragen Sie nicht. Ist halt einfach so, oder so.)
Ein Döner, ein Cigar Börek und ein Wasauchimmerbratling retteten mir den heutigen Tag.
Ein Zwilobit Spezial - es ist mir eine Ehre.
Was willst du denn trinken? Einen warmen Kakao. Aber du magst doch gar keinen warmen Kakao. Will aber. Bist du dir ganz sicher? Ich kann dir doch auch eine Milch machen. Nein, ich will Kakao.
…
Ich mag den nicht. Aber du hast doch gesagt, dass du einen warmen Kakao möchtest. Ich will keinen Kakao. Aber du wolltest den doch so gerne. Warmer Kakao ist scheiße.
…
Koppi, möchtest du den Kakao von Little Britain Anton? Ja, gerne.
…
Ich will auch warmen Kakao.
Musst du auf Toilette, Anton? - Nein, ich tanze nur. 20 Sekunden später wird das Tanzen zum Steppen und das Kind schreit: Wer tanzt, der muss mal.
Kurz da gewesen.
Heute, sprach der Herr Koppi, da gehen die L. und die S. und der A. und ich ins Einkaufzentrum zum Bummeln. Zum BUMMELN. Mir war nicht bewusst, dass dieses Wort zum aktiven Wortschatz meines Sohnes gehört.
*
Mama, sprach der Herr Koppi, stell dir vor, wir waren in vier Geschäften und die L. konnte sich erst im fünften Geschäft für etwas entscheiden. Frauen, sagt db Eva und grinst. Ja, sagt Herr Koppi, das haben der A. und ich auch gesagt.
Ich muss Abstriche machen, es hilft nichts. Wenn ich aus der Schule komme und mein Feedreader mir freudestrahlend mitteilt, dass er am Vormittag ganz fleißig 100 Beiträge für mich aufgesammelt hat, dann merke ich, das ist zu viel, ich kann das nicht mehr. Auf jeden Fall zur Zeit nicht. Meine Schüler schreien Bring uns was bei. Meine Kinder schreien Spiel mit uns. Erziehe uns. Sei für uns da. Mein Haus schreit Putze mich. Mein Garten schreit Mach mich frühlingsfein. Db Eva schreit Ich liebe dich. Und ich?
Ich liebe mein Blog und daran gibt es nichts zu rütteln. Ich liebe den Austausch mit Ihnen da draußen, aber ich merke, dass ich immer mehr zur Fastfootblogleserin werde. Schnell überfliegen, fertig. Das ist doof und ich will das nicht.
Natürlich gibt es Menschen, die mir durch ihr Blog so sehr ans Herz gewachsen sind, dass sie zu meinem Leben dazu gehören und daran gibt es auch nichts zu rütteln. Aber, ich muss Abstriche machen, meinen Feedreader kräftig zurechtstutzen und versuchen, so oft es geht einen kleinen Rundgang durch meine Blogroll zu machen. Versprochen.
Dem Herrn Koppi und mir war heute so legomorbide zumute.
Lassen Sie sich nicht von der trügerischen Idylle dieser kleinen Insel täuschen, denn auf ihr herrscht das Grauen. Sind Sie erstmal durch die lila Tür geschritten, erwarten Sie zwei böse Gestalten, die Ihnen gnadenlos den Kopf abhacken und die Hände abtrennen. Das macht den beiden furchtbar viel Spaß.
(Ihr Kopf liegt dann übrigens zwischen denen von Rittern, Bauarbeitern, Rennfahrern und Harry Potter samt Gefolgschaft.)
Irgendwie, ach, ich weiß auch nicht. Eigentlich so, dass ich am liebsten meinen Kopf auf die Tischplatte legen würde. Und meine Schüler, die schon seit zwei Tagen nicht verstehen, was ich von ihnen will. Und meine Lippen, die nämlich auch ganz trocken sind. Und meine Haare, die so rumfisseln. Und die Milka mit ganzen Haselnüssen, die an meinen Hüften klebt. Und überhaupt das Bedürfnis, in Sternchen zu sprechen *seufz* *doppelseufz*. Schlimm, oder?
(Ach, wahrscheinlich bekomme ich einfach nur meine Tage.)
Oh, Frau Antonmann, schön, dass Sie nach so langer Zeit mal wieder in unserer Kundenonlinebetreuung vorbeischauen. Wir haben da auch gleich ein wunderbares Treueangebot für Sie. Verlängern Sie doch Ihren Vertrag um 24 Monate und suchen sich als Dankeschön ein brandaktuelles neues Handy aus. Wir zeigen Ihnen mal eine klötzekloine Auswahl, informieren Sie sich ganz in Ruhe über die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle und wählen Sie dann einfach aus.
(Ui, fein. Da verbringe ich doch mal ganz in Ruhe meinen kinderfreien Nachmittag mit Handyvergleich und Aufsneuehandyfreuen.)
So, Sie haben sich entschieden? Dann dürfen wir Ihnen auch gleich noch einen neuen Handytarif anbieten. Ach so *ich schwöre Ihnen, ich habe deutlich gehört, wie sich die Onlineberatung geräuspert hat*, Sie wollen Ihren alten Tarif behalten. Einen Moment, dann rechnen wir mal kurz, einen Moment, wir rechnen immer noch, nur noch ein wönziges Augenblöckchen… ja, das macht dann 199 euro für Ihr neues Handy.
M (9): Du, Frau Antonmann, ich konnte gestern nicht in die Schule kommen, ich hatte so trockene Lippen.
(Ich habe ja früher gerne gesagt, ich hätte Menstruationsbeschwerden gehabt. Da war ich schon älter.)
Heute mit einer Frau gesprochen, die so schlimm geschminkte Augen hatte, dass ich diese Augen ständig angucken musste.
Heute mit einem Mann gesprochen, der so ungeputzte Zähne hatte, dass ich diese Zähne ständig angucken musste.
Einladung an alle, die gerade keinen sonnigen Gartenplatz haben.
Kommen Sie zu mir auf die Terrasse zu einer Tasse Kaffee oder Tee. Ziehen Sie sich auf jeden Fall ein T-Shirt unter, da es Ihnen im Pulli viel zu schnell zu warm werden wird. Lieblingsschmackofatz steht auch schon bereit.
Ich geh’ dann schon mal raus. Kommen Sie einfach durch den Garten.
Herr Anton malt für Frau Drießen.
(so eine Ir.gend.wie.mussdiezeitbiszummittagsschlafdochrumzukriegensein-Beschäftigung)
Seit ich weiß, dass ich Taufpatin werde, mache ich mir Gedanken über mein Outfit. Eine schwierige Entscheidung, da es so viele unbekannte Variablen gibt. Wie wird das Wetter? Was zieht die Taufkindmutter an? In welchem Rahmen feiert die Familie? Kann mein Outfit neben dem bestimmt sehr feinen Stöffchen des anderen Taufpaten standhalten? Sie merken schon, schlimmes Gedankenkarussell. Gestern nun war ich mit meiner Mutter in einem edlen Restaurant. Die Gelegenheit, mein Taufoutfit probezutragen. Ich sagen Ihnen, ein voller Erfolg. Schon als ich zu Hause die Treppe runterkam, das erste Lob vom Sohn und das zählt viel. Frauantonmannmutter äußerte sich besonders wohlwollend zu den Schuhen, meinte jedoch, zum Oberteil könnte noch ein feines Jäckelchen passen. Das kann ich mir ja in den nächsten vier Wochen noch durch den Geldbeutel gehen lassen, aber ansonsten: Ich kann endlich wieder ruhig schlafen.
Wenn man plötzlich gezwungen ist, Aufgaben zu übernehmen, die normalerweise immer der Partner erledigt, dann kann es sein, dass man sich bei den banalsten Tätigkeiten plötzlich vollkommen unsicher fühlt. Bei mir war das heute Frühstück für die Kinder.
Schon gestern Abend habe ich mir von db Eva noch mal vorbeten lassen, wie unsere Familie am Morgen so funktioniert. Wann muss ich die Kinder aus dem Haus schicken? Wieviele helle Toasts und wieviele dunkle? Toaster auf welcher Einstellung? Frühstück für die Schule? Kakaogeld für Herrn Koppi?
Ich habe mich tapfer geschlagen und nur ganz leicht davon stressen lassen, dass Herr Koppi plötzlich doppelte Menge Schulbrote verlangte, dass das Lottakind zum Bus rennen musste, weil vorher die Haare nicht so wollten wie sie, und dass der Herr Koppi 5 Minuten nachdem er das Haus verlassen hatte noch mal an der Tür klingelte, um mir Ich brauche ein Handtuch und einen Becher, heute kommt der Zahnarzt entgegen zu schreien.
Alles ganz normal, versicherte mir db Eva. Ich bin beruhigt.
Heute Nacht habe ich auf Lilly und Ben aufgepasst. Herr und Frau Ami sollten sich mal ein paar Tage ausspannen und entschieden sich, nach Frankreich ans Meer zu fahren. Während des Traumes gab es immer mal zwischendurch so Weichspülereinblendungen: Ehepaar Ami juchzend am Strand, verliebt giggelnd. Und ich mit den Kindern. Anstrengend war’s, ich war ständig am Rödeln. Es gab dann so einen Augenblick, in dem ich Lilly für eine zeitlang unbeaufsichtigt lies und genau in diesem Augenblick kam Frau Ami rein, um nach ihren Kindern zu schauen. Ich also schnell hoch zu Lilly, die die Zeit genutzt hatte, sich selber und die Teppichböden mit Stiften zu bemalen. Gut, dachte ich, den Teppich mache ich später sauber, aber das Kind, das muss ich irgendwie reinigen, bevor Ami was merkt. Also Waschlappen mit Seife und durchs Gesicht gerubbelt. Es schäumte wie wahnsinnig und ich dachte die ganze Zeit: oh mein Gott, hoffentlich bekommt Lilly jetzt nichts in die Augen und fängt an zu schreien.
Jetzt, so mit wachem Geist, denke ich, dass es für Frau Ami gar nicht so dramatisch gewesen wäre, ihr Kind bunt angemalt zu sehen, die Frau ist ja einiges gewohnt. Aber, im Traum hat es mich fertig gemacht.
Da.
Klar, mit dem Zweiten sieht man besser, aber wie grandios muss die Sicht auf das Leben erst mit dem Dritten sein.
Schon während der Schwangerschaft mit Anton war mir klar, dass ein drittes Kind unser bisheriges Leben noch mal gründlich durchschütteln wird. Über sechs Jahre lebten wir erfolgreich in der Zusammenstellung: Vater, Mutter, Tochter, Sohn. Eine ziemlich runde Sache. Aber dieses neue Kind, das da wuchs, das war ein besonderes. Nicht, weil es besonders schlau, besonders hübsch oder toller als andere Kinder war, sondern, weil dieses Kind auf so besondere Weise erlebt wurde. Für uns als Eltern, na ja, ein drittes Kind halt. Mit all’ unseren Erfahrungen, unserem Wissen, der Unerschütterlichkeit und der daraus resultierenden Gelassenheit. Aber die beiden Großen, für die alles neu, aufregend, spannend und wundersam war, die machten dies Kind für uns alle zu etwas Besonderem. Vieles, was so einfach und simpel war die letzten Jahre, wurde neu in Frage gestellt, hat uns in vielen Situationen noch mal ganz dicht an die Wurzeln des Lebens geführt, so dass ich es von Anfang an wusste: Mit dem Dritten sieht man besser.
Da sehnt man sich Jahre lang danach, dass die Kinder endlich durchschlafen und schlafen sie endlich durch, fängt eine Woche später schon die Zeit an, in der man sie mühevoll aus dem Bett quälen muss.
6:30 erstes Wecken beim Lottakind, der Wettlauf mit der Zeit beginnt
6:35 zweites Wecken, fühlt sich genauso an wie das erste Wecken
6:40 drittes Wecken, ich bin im Bad fertig und will zu meinem Kaffee
6:47 viertes Wecken, ich würde so gerne einfach ein lautes Lotta nach oben rufen, aber Herr Anton schläft noch, also noch mal hoch und das Kind nötigen
6:55 fünftes Wecken, ich schicke db Eva nach oben, nun wird’s eng, das Lottakind steht allerdings schon neben seinem Bett
7:00 eine Scheibe Toast, eine Tasse Kakao, ich bitte das Kind, sich doch vielleicht den Wecker zu stellen, wenn es so eine lange Zeit braucht, um wach zu werden, das Lottakind wiegelt ab und fährt db Eva an, der seine linke Augenbraue zwei Milimeter nach oben gezogen hat
7:10 ein gebocktes Lottakind verschwindet ins Bad
7:16 das Kind verlässt das Haus, die schlechte Laune sprüht aus seinen Augen, ich sage tschüß und denke gleich triffst du auf deine Freundinnen, dann ist alles wieder gut
Mein Nasenrotz hat mittlerweile eine solche Farbe angenommen, dass ich heute Nacht aus den Nasenlöchern fluoriszieren werde. Auch den Einsatz von Schwarzlicht stelle ich mir sehr reizvoll vor.
Tage können lang sein und sind sie es, dann ist jede Art von Zeitvertreib willkommen. Herr Anton und ich haben heute die Zeit vertrieben, indem wir Verpackungsstyroporsuppe gekocht haben. Inspririert wurde ich eindeutig von Jettes Bohnenausdemkorbspiel, wobei es bei uns heute nicht so viel “Drumherum” gab. Dafür hatten wir viel Freude mit der Tatsache, dass die Styroporhörnchen leicht statisch waren und deshalb überall festbappten.
Herr Anton hat so eine fette Brandblase an seinem rechten Zeigefinger, dass er gar nicht richtig popeln kann.
Und plötzlich schwammen sieben Viergewinntplättchen in meinem Kaffee.
Das Kind geht als DJ zum Fasching.
Haben Sie sich schon mal darüber Gedanken machen müssen, wie man jemanden als DJ verkleiden kann? Mensch, ich bin jenseits der 30 und habe keinen blassen Schimmer, wie DJs heutzutage aussehen. Und das Kind, das ist gerade mal 9 und hat noch keinen blassen Schimmer. Das ist so eine Verkleidung, mit der man nichts anfangen kann. Bei Gespenst, da konnte ich ein weißes Bettlaken zerschneiden und das Gesicht weiß schminken. Harry Potter war auch klasse, schwarze Brille, schwarze Haare, Zauberstab, Umhang, Abzeichen. Oder Ritter, ganz einfach, das gab es mal als Set bei Ikea, mit Umhang, Schwert, Schild und Handschuhen. Und ganz früher, bei seinem ersten Kindergartenfasching, da ging das Kind als Elfenfeenzauberin, das allerdings nur, weil die große Schwester halt auch.
Aber DJ? Das Kind jedenfalls zog heute Morgen glücklichst, zufriedenst und coolst aus dem Haus, mit Schlabberhose, Shirt, Cappi, Ohrring, Drachengoldkette, Sonnenbrille und Kopfhörern.
Ach ja, hätte ich beinahe vergessen, ich hatte diesen Brigittetest ja auch gemacht. Sie wissen schon, der, der hier überall rumschwirrt, der, wo man erfährt, wie man auf andere wirkt.
Sie sind Typ F
Sie wirken faszinierend
Bestimmt haben Sie schon öfter gemerkt, dass Sie (mindestens) zwei Seelen in der Brust haben. Welche das sind, wissen Sie selbst am besten. Möglicherweise sind Sie mal zurückhaltend und fast schüchtern, dann wieder aufgedreht und selbstbewusst. Oder mal verträumt und romantisch, dann wieder cool und sachlich. Wie auch immer, Ihrer Umwelt bleiben Ihre verschiedenen Seiten natürlich nicht verborgen. Dass Sie ein größeres Spektrum haben als viele andere Frauen, wirkt durchaus reizvoll. Mit Ihnen wird es nie langweilig. Ein großes Plus ist auch, dass Sie sich flexibel auf verschiedene Menschen und Situationen einstellen. Aber es kann für Ihre Umgebung auch manchmal etwas irritierend sein. Dann nämlich, wenn Sie spontan von einer Stimmung in die andere switchen. Da hilft Offenheit: Teilen Sie mit, warum Sie sich jetzt so und nicht anders verhalten. Dann wissen alle, woran sie sind.
Hmhmhm, ob das so stimmt können die Leute, auf die ich so den lieben langen Tag wirke, eigentlich am Besten beurteilen, aber ich möchte trotzdem ganz leise Zweifel an diesem Ergebnis anmelden. Die anderen Beschreibungen habe ich mir auch durchgelesen und bei jeder irgendwie das Gefühl nee, aber so wirke ich doch bestimmt auch nicht gehabt. Am dichtesten dran war für mich Sie wirken zart. Wahrscheinlich war es eine Fünfzigfünfzigentscheidung und Brigitte hat sich dann für faszinierend entschieden.
Die Große zeigt dem Mittleren gerade, wie man Wackelpudding (grün, für die Schule morgen) kocht und plötzlich habe ich so eine Ahnung, was sie später mal werden könnte.
hat vielleicht Nerven. Nicht auszudenken, was alles hätte… oh mein Gott, stellen Sie sich nur vor, sie wären… die beiden… ver.sun.ken.
(Dafür haben sie tolle Namen bekommen.)
Ich habe in den letzten Wochen 18 Gardinenschals gekürzt und umsäumt, ich kleine Handarbeitsfee, ich. War aber eh klar, ich habe ja sogar das Familientaufkleid mit den Namen und den Taufdaten meiner Kinder bestickt.
Das Lottakind spielt Geige. Bisher immer auf einem gemieteten Instrument, aber da die Lottakindarme in den letzten Monaten so kräftig gewachsen sind, braucht’s nun eine ganze Geige und die soll gekauft werden. Da habe ich eben mit der Geigenlehrerin telefoniert und mich über das Wann, Woher, Welche und besonders über das Wieviel unterhalten. Ich hoffe man hat mir das leichte Beben in meiner Stimme nicht zu sehr angemerkt, als mir der preisliche Rahmen für eine gebrauchte Geige mitgeteilt wurde. Oh.mein.Gott.
(Es ist aber auch zu ärgerlich, dass wir ein tolles Klavier hier stehen haben und sich bisher keins der Kinder dafür erwärmen konnte. Anton hat eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Klavier oder Blockflöte. Mehr ist für’s Dritte nicht übrig.)
Vielleicht, Frau Ami, leben wir ja irgendwann in einer Welt, in der man nicht mehr erklären muss, was bloggen ist.
Zumindest Ikea scheint von seinen Kunden zu erwarten, dass sie wissen, was bloggen bedeutet. Das ist doch schon mal was.




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