gleich vorneweg
12. September 2007
Es gibt kein Gruppenfoto. Nicht, dass wir nicht gewollt hätten, aber es war einfach keine Zeit.
Amis rauschten kurz durch unser Leben. Sie kamen, waren da und sind wieder weg.
Es ist tatsächlich so, dass das erste Zusammentreffen an der Haustür ganz einfach ist. Man kennt sich und diese Vertrautheit ist es, die es so einfach macht. Aber dann, nach diesem ersten Sichgegenüberstehen, fängt es eigentlich an, spannend zu werden. Die reale Begegnung hat eine so viel größere Dimension. Man spürt, dass man, obwohl man viel voneinander weiß und die Frage der Sympathie nicht mehr geklärt werden muss, eigentlich erst in dem Augenblick anfängt, sich wirklich kennenzulernen. Und damit fängt die Zeit an zu rasen.
Kaum angekommen steht Frau Ami bereits in der Küche. Nicht, um meine Schubladen zu kontrollieren, sondern, um ein unaussprechliches koreanisches Essen für uns zu kochen. Lilly spuckt auf den Boden. Ben schmeißt mit Magneten. Anton heult, weil ein Luftballon platzt. Db Eva kommt mit den Großen nach Hause, die sich gleich mit Hingabe auf die Kleinen stürzen. Es ist laut und voll, aber entspannt. Betten werden bereitet. Anton ins Bett, Ben ins Bett, Koppi ins Bett, Lotta ins Bett. Noch schnell eine Zigarette, Lilly gewickelt und vier Erwachsene sitzen vor einem Riesentopf mit Essen und fangen an zu reden, zu lachen, zu trinken und zu rauchen. Perfekt.
Und nach dem Besuch. Mein Hirn ist wie durchgepustet. Mir fehlt Schlaf, viel Schlaf. Den ganzen Vormittag habe ich einerseits das Gefühl, auf Wolke Sieben zu schweben, weil etwas, weswegen ich sehr aufgeregt war, so schön war und andererseits aber auch eine tiefe Traurigkeit in mir, weil klar ist, dass diese Beziehung nicht mit der Leichtigkeit fortgesetzt werden kann, mit der sie gestern begonnen hat. Meine Gedanken wollen sich nicht ordnen lassen und auch Flatratekaffeetrinken hilft dabei nicht wirklich. Aber plötzlich, auf dem Nachhauseweg von der Schule, kommt mein Hirn in Bewegung und es gibt sich große Mühe, das Erlebte zu ordnen und zu begreifen.
Soweit, erstmal.

12. September 2007 at 14:22
na, das ist ja quasi eine liebeserklärung an die familie ami! :-)
12. September 2007 at 15:33
Hört sich doch gut an.
Und hach ja, so erste Treffen mit Bloggerinnen, mit den man viel gelesen, geschrieben, kommentiert hat… Hatte ich letztes Jahr im April, war spannend und klasse und mittlerweile haben wir uns noch viermal gesehen, mit Familienanhang in unterschiedlichen Stärken.
Internet ist ‘ne feine Sache.
12. September 2007 at 16:40
Ach Frau Antonmann, mir krabbelt gerade eine kleine Gänsehaut den linken Arm hoch und runter. So schön nachdenklich beschrieben!
12. September 2007 at 19:56
Aus welchem Gefühlswinkel kommt denn die Traurigkeit her? Scheuchen Sie sie wieder dahin zurück!
12. September 2007 at 20:15
Ja, hat schon was, wenn man sich dann mal im realen Leben trifft. Und plötzlich haben die Einträge eine Stimme, ein Gesicht und auch ein Gefühl. Gut, oder?!
12. September 2007 at 20:49
Wunderbar. Ganz wunderbar.
(Ich hatte bisher auch viel Spaß dabei … nach anfänglicher Aufregung.)
13. September 2007 at 8:22
Das hört sich wunderschön an!
Auch, wenn solche Momente leider immer wie im Flug vorübergehen, bleibt doch das Wichtigste in den Herzen. Und darauf kommt es an, dann tut die Traurigkeit nicht so weh, sondern bestätigt ein wenig das Gefühl der Vertrautheit.
5. Juni 2008 at 18:48
[...] Nach unzähligem Kommentargeplänkel, nach furchtbar langen Schwänkemails kam das. Und das, meine liebe Freundin, ist mit das Wunderbarste, was im letzten Jahr geschehen ist. Und [...]