Erinnermich

26. August 2007

Auf Wunsch von Frau Pampersfront durchforste ich mein Hirn nach Kindheitserinnerungen und ich merke dabei, dass es manchmal schwierig ist, zu trennen, ob man sich wirklich an etwas erinnert oder ob die Erinnerung an Fotos oder an Geschichten gekoppelt ist.

Mein Vater starb als ich noch sehr jung war und ich werde immer wieder gefragt Kannst du dich eigentlich noch an ihn erinnern? Ich habe mich also schon des Öfteren mit dem Thema Kindheitserinnerungen auseinandergesetzt und ganz automatisch fallen mir dann zwei Erinnerungen an meinen Vater ein, die besonders intensiv sind.

1. Mein Vater war bereits eine ganze Zeit lang krank und lag im Krankenhaus. Zwischendurch wurde er immer mal wieder mit dem Krankenwagen zu uns nach Hause gebracht, um gemeinsame Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Ich sehe meinen Vater in unserem Lederdrehsessel sitzen. Neben dem Sessel steht eine große Stehlampe mit sechs Glasschirmen. Beim Rumeiern um meinen Vater stoße ich gegen die Lampe, die kippt um und die Glasschirme zerspringen in tausend Scherben. Meine Mutter, vollkommen überfordert mit der ganzen familiären Situation und der Belastung, droht zu explodieren. Da klingelt es an der Tür und die Sanitäter sind da, um meinen Vater wieder ins Krankenhaus zu bringen. Und mein Vater sagt: “Ich nehme Kerstin mit ins Krankenhaus.” Er war meine Rettung.

2. An einem Nachmittag spielte ich bei meiner Freundin, da meine Mutter bei meinem Vater im Krankenhaus war. Von dort hatte sie wohl den Freundinvater angerufen und ihn gebeten, mich ins Krankenhaus zu bringen, da sie spürte, dass es das letzte Mal sein könnte, dass ich meinen Vater sehe. Ich weiß noch, dass ich meine Hausschuhe an hatte und der Freundinvater zu mir sagte, dass ich die ruhig für die Fahrt anlassen könnte. Im Krankenhaus erinnere ich mich, dass meine Mutter zu mir sagt: “Wenn du möchtest, kannst du deinem Vater zum Abschied ja noch einen Kuss auf den Arm geben.” Ich sehe den rechten Arm meines Vaters vor mir im weißen Bett und höre mich sagen: “Nein, ich gebe ihm fünf Küsse.”

 
 

Und, Frau Kira, nehmen Sie auch Stöckchen? Wenn, dann …wie sieht es mit Erinnerungen aus Ihrer Kindheit aus?

4 Responses to “Erinnermich”

  1. goodytales Says:

    Ich nehme das Stöckchen und werde mal in mich gehen.

    Abgesehen davon muss ich sagen, dass ich ob dieser Zeile:
    “Ich sehe den rechten Arm meines Vaters vor mir im weißen Bett und höre mich sagen: “Nein, ich gebe ihm fünf Küsse.”
    gerade etwas verschwommen gucke.

    Virtuell in den Arm nehmen geht ja leider ganz schlecht.
    Trotzdem bitte ein bißchen gedrückt fühlen, ja?

  2. Mama Schwaner Says:

    *schluck* Da kommen mir echt die Tränen… Fühl dich auch von mir mal fest gedrückt!

  3. Kassiopeia Says:

    Mir kullern gerade auch ein paar Tränen. So wertvolle Erinnerungen…

  4. Ein Stöckchen « Kiras goodytales Says:

    [...] ich das Stöckchen von Frau Antonmann aufgehoben habe, habe ich soeben in meinen Kindheitserinnerungen gewühlt und folgende Augenblicke [...]

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