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Als Kind dachte ich immer, dass Lehrer unter ihrem Pult einen roten Knopf haben, den sie drücken können, wenn sie mal plötzlich aufs Klo müssen. Dann käme eine Vertretung und der Lehrer könnte heimlich aufs Klo gehen. Ich hatte nämlich nie erlebt, dass ein Lehrer im Unterricht sagt Ich muss mal.
Heute, da war ich mit meinen Schülern draußen. Freundschaftssteine lackieren. Und, während die Steine trockneten, so’n Wahrnehmungsspiel. Mitten im Spiel Frau Antonmann, ich muss mal. Und innerhalb von 15 Sekunden spürten plötzlich 5 weitere Kinder ihre volle Blase.
Wenn ich in der Schule in der Pause auf’s Klo gehe, denn denke ich, ach so machen Lehrer das.
Wir sind im Einkaufspielstadium angekommen. Auf der Einkaufsliste standen heute: Bonbon, Bonbon, Brille. Und so kaufte Anton ein.
Herr Yulius, eine Einkaufslistendeutung bitte.
Was soll ich davon halten, wenn eine gute Kollegin von mir anruft, nicht mich, sondern db Eva sprechen möchte und, da dieser nicht da ist, sagt: Ich kann dir nicht sagen, worum es geht.
Die Geburt eines neuen Menschleins ist immer ein außergewöhnliches Ereignis. Lilly ist da und wir freuen uns. Herzlichen Glückwunsch, Ami.
Aber nicht nur Familie Ami, auch Familie Antonmann hat eine Lilly und wer konnte das denn im letzten Dezember ahnen, als wir einen Namen für unser neues Kaninchen suchten. Ein toller Name, nicht nur für Kaninchen ;)
(Wenn Sie das hören könnten. Die Kinder stehen im Wohnzimmer und boomwhackern. Die machen das toll.)
Ein lauter Knatterpups ist zu hören. Koppi geht sofort in Verteidigungsstellung.
Ich war das aber nicht.
Aber ich kräht Anton und strahlt.
(Ihr seid so von mir, sooo von mir.)
*
Cool lieber Junge, cool sagt Anton und klopft Koppi kumpelhaft auf den Arm.
*
Anton dreht sich im Kreis. Zur Musik. Bleibt stehn. Papas Arbeitszimmer dreht.
Schon ist der Himmel wieder strahlend blau und die Kinder spielen mit nacktem Oberkörper im Garten.
Achtjährige Jungen können Fußball spielen und gleichzeitig ununterbrochen schwätzen.
Oh, Frau Schäfer, danke, danke.
Durch diese ganze Feiertagerei bin ich ganz aus dem Tritt. HEUTE ist Dienstag. Nun bin ich seit über 13 Stunden wach und habe nicht daran gedacht, dass heute der schönste Tag der Woche ist.
Ich freu’ mich so.
mache ich doch mit links
Koppi (3, Arzt), Freundetochter Mara (2, Patientin), Eltern (Assistenten).
E: Koppi, du musst Mara fragen: Kasse oder Privat.
K: Kasse oder Pirat?
M: Pirat.
(Hätten die beiden eine solche Alternative gehabt, wer weiß, ob sie sich nicht auch so wie Mara entschieden hätten.)
Bei diesem Wetter werde ich heute nichts anderes machen, als mit der rechten Hand zu bloggen und mit der linken Hand meine Kinder notdürftig zu versorgen.
Anton wird gebraucht.
Wir sind bei Freunden und die drei Antonmännchen gehen zum Spielen zu den Nachbarskindern. Zum Kaffeetrinken mit Erdbeerkuchen tauchen sie kurz wieder auf. Danach verschwinden die beiden Großen wieder über den Gartenzaun. Keine 5 Minuten später stehen 4 Kinder bei uns im Wohnzimmer. Wir müssen Anton jetzt mit rüber nehmen, damit wir was zum Lachen haben. Na toll, und wer denkt an die Erheiterung der Erwachsenen.
Beim Frühstück heute verkünde ich Anton und ich fahren gleich zu meiner Mutter. Großes Protestgeheul von Tochter und Tochterfreundin. Nein, Anton kannst du nicht mitnehmen, der muss hier bei uns bleiben. Wir haben schon angefangen, mit ihm zu spielen und wollen nach dem Frühstück weiter machen. Also gebe ich ihnen noch 20 Minuten von Antons Zeit, aber danach brauche ich ihn.
Ein Herausforderung an den Pfingstsonntag, wenn Familie Antonmann sich mit zwei befreundeten Paaren trifft, von denen das eine Paar gerade in der 15. Woche schwanger ist und das andere Paar keine Kinder bekommen kann.
Wenn dann ein harmonisches und ausgelichenes Miteinander herrscht, dann sehe ich die Herausforderung als gemeistert an. Glücklich und dankbar.
Zu Freunden, die Petra und Oliver heißen, beharrlich Preta und Elli zu sagen, trägt sehr zur Erheitung der Erwachsenen bei. Ebenso, wie zu einem Hund, der einen mit der nassen Schnauze berührt hat, zu sagen Joschi hat mich pinkelt.
Creative Director: Lise
Das Lottakind hat sich vorgestern die Haare rot getönt. Seitdem liegt mir Koppi in den Ohren, dass er auch eine neue Haarfarbe wünscht. Morgen, nach dem Frühstück fahren wir Farbe kaufen hat Frau Antonmann gestern gesagt. Und hatte nicht bedacht, dass Sohnemann das sehr ernst nimmt. Kaum hatte ich meine Füße vor’s Bett gestellt Was willst du auf dein Toast, Mama? Und auch jetzt sitzt er mir im Nacken und drängt zur Eile. Also eile ich.
Nur über die Farbwahl werden wir im Auto noch mal reden müssen. Grün kommt nicht in Frage.
Es blitzt und donnert. Ich mag das. Und das Töchterlein brüllt von oben Mamma, hast du den Blitz geseh’n?
(Sie darf ruhig brüllen, Anton schläft grad’ bei seiner Oma. Denk ich.)
Edit: Und Hagel, dicker Hagel.
Das Beinerasieren.
Meine Beine werden unter der Dusche enthaart. Dazu brauche ich den Nassrasierer von db Eva und seinen Rasierschaum in Blauweiß. Brille auf der Nase lassen, Wasser etwas aufdrehen, 1. Bein einschäumen. Es ist super unbequem, sich in der Dusche zu rasieren, weil man sein Bein nirgendwo abstellen kann. Geht man in die Hocke, schläft irgendwann das andere Bein ein. Beugt man sich runter, fängt der Rücken an zu schmerzen. Außerdem hängen mir ständig meine Meredithhaare ins Gesicht (Haargummi könnte helfen) und meine Brille beschlägt. Und man muss aufpassen, dass der Schaum durch das Spitzwasser nicht schon abgespült wird, bevor man alles rasiert hat. 2. Bein einschäumen und eigentlich habe ich schon keine Lust mehr. Mir wird viel zu heiß, weil ich das Wasser so warm gestellt habe und am Knie habe ich mich schon wieder geschnitten. Dafür geht das Schaumentfernen in der Dusche schön schnell und es gibt keine Sauerei im Bad.
Aber jedesmal denke ich, muss das so anstrengend sein oder bin ich nur so ungelenkig. Ach und übrigens, epilieren kommt nicht in Frage. Da macht mir das Geräusch schon Angst.
Ich glaube, liebe Larissa, es ist egal, wo du die Pfingsttage verbringst. Ob nun in Sibirien, auf der Schwäbischen Alb oder im Norden. Grillwetter wird’s nicht werden.
Db Eva lässt eine große Kerze auf den Boden fallen. Nicht schlimm.
Koppi hatte die Kerze gerad erst ausgepustet und der Wachs ist noch flüssig. Nicht schlimm.
Der Fußboden ist voll mit Wachs und erinnert uns kurz an das. Etwas schlimm.
Frau Antonmann fängt an, den Wachs vom Boden zu kratzen. Etwas schlimm.
Anton nimmt sich einen Stuhl und setzt sich neben mich. Nicht schlimm.
Frau Antonmann saugt den abgekratzen Wachs auf. Nicht schlimm.
Anton nimmt sich seine (Mundhar)monika. Ich mach’ Musik für dich, wenn du saugst. Schlimm :)
Db Eva macht ein Foto davon. Ganz schlimm.
Ein ehemaliger Kindergartenfreund von Koppi ist heute zum Spielen bei uns.
Als seine Mutter wieder gefahren ist und die Jungs sich verzogen haben, schauen db Eva und ich uns an. Ich spreche aus, was wir beide denken. Der Arme. M. trägt eine kurze, wirklich kurze Hose und Kniestrümpfe, hochgezogen.
Ich hätte ja gerne ein Foto davon gemacht, ganz geschickt, so dass er nicht merkt, dass ich nur hinter seinen Beinen her bin, aber db Eva hat schon du darfst deine Strümpfe gerne auszieh’n zu ihm gesagt.
Neidvoll blicke ich auf die schönen Suchbegriffe, die andere Blogger ihr Eigen nennen können. Meine sind total unspektakulär.
In hübscher Regelmäßigkeit finden Menschen mit dem Suchbegriff Kaninchenspiele zu mir. Nicht besonders verwunderlich, da ich mich ja selbst über das Thema ausgelassen habe.
Gestern gab es acht und heute zwei Klicks mit dem Suchbegriff http://frauantonmann.wordpress.com auf meine Seite. Nur als kleiner Tipp, wenn man die Adresse einer Seite schon kennt, dann muss man sie nicht mehr in eine Suchmaschine eingeben.
Ansonsten nur Blabla: Buchenheckenkrankheiten, Sandkastenbau, verspannter Nacken nach dem Aufstehen, Kinderbeet, Bandwurm loswerden, Nutellaglas öffnen, Dorfsirene usw.
Hausfrauenkram.
Der Mittlere hat zwei Pickel am Po und ich kann ein Foto davon machen, um ihm die beiden Prachtstücke zu zeigen. Ein nicht zu verachtendes Hinterteil verachtender Vorteil der zunehmenden Digitalisierung.
Beim 3. Mal. 7 Uhr 45. Routinierter Ablauf. Autos zählen. Menschen zählen. Buch lesen, wenn es ruhig ist. Zeitschrift blättern, wenn geredet wird. Ich weiß, wie die aktuelle Freundin von Herrn Becker aussieht, dass der Name von irgendsoeiner neugeborenen Prinzessin erst bei der Taufe verraten wird, dass Herrn R. Schumacher seine Freundin wichtiger ist als sein Karriere und, dass Häkeltaschen in und Westernstiefel out sind. Ein weiterer Arztbesuch kommt erst wieder in Frage, wenn der Lesezirkel das Sortiment ausgetauscht hat.
(Applaus bitte, Jette)
Ich frag doch nur, Mama war Antons Reaktion auf mein leichtes Stöhnen, nachdem er mich auf dem Weg zum Auto, im Auto, im Geschäft, im Auto pausenlos irgendwelchen sinnlosen Kram, mir Löcher in den Bauch gefragt hat zum Themenbereich Welt- und Umweltkunde befragt hat.
Eine Frau gesehen, die ganz in Beige gekleidet war und für einen kurzen Moment gedacht, sie wäre nackt.
Das einzig Sinnvolle, das man heute tun sollte, ist, sich in einen gut klimatisierten Kreißsaal zu begeben.
Besuch beim Landarzt.
Beim 1. Mal. 8 Uhr 30. Schon beim Parken überschlage ich anhand der Autos, wie viele Patienten wohl im Wartezimmer sitzen. Zweite genauere Rechnung dann beim Betreten des Wartezimmers. Zum Glück nur mäßig gefüllt. 5 Menschen. Ich packe mein Buch aus und fange an zu lesen. Die Wartezimmertür öffnet sich. Noch ein Mensch, aber der zählt nicht, der kam ja erst nach mir. Doch dieser Mensch kennt einen von den 5 Menschen, die vor mir dran sind. Ich ahne, was kommt. Ach, du auch hier. - Jaja, muss ja. - Und wie geht’s dir so. - Ach, ganz gut und selbst. - Och, naja, du weißt schon. Nach diesem Standardbegrüßungsritual gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ist der Gesprächsstoff hiermit bereits ausgeschöpft und die beiden Menschen schweigen, wie auch alle anderen im Wartezimmer. Oder sie legen nun richtig los. Sie legen richtig los. An konzentriertes Lesen ist nicht mehr zu denken. Ich versuche noch für einen Absatz, das Dorfgeplänkel auszublenden. Geht aber nicht. Immer wieder schleicht sich der neuste Klatsch zwischen meine Zeilen. Also, Buch weg und zu einer bunten Zeitschrift gegriffen. Bilder anschauen funktioniert trotz Unterhaltungskulisse.
Beim 2. Mal. Termin um 7 Uhr 30. Nüchtern. Kein Kaffee, keine Zähne geputzt. Um 7 Uhr 25 fahre ich mit meinem Auto vor. Die Praxistür ist noch geschlossen, drei Rentnerinnen Menschen stehen schon vor dem Eingang. Die Wievielemenschenvormirfrage stellt sich nicht, ich habe einen Labortermin. Der Ablauf ist mir schon beim 1. Mal erklärt worden. In ein Röhrchen pusten. Ein Glas Orangensaft mit einer Harnstofftablette trinken. Halbe Stunde warten. In ein Röhrchen pusten. Zunächst darf ich jedoch im Wartezimmer Platz nehmen. Routiniert greife ich zur bunten Zeitschrift. Lese, dass Prinz Harry in den Krieg muss und Prinz William seine Hochzeit plant. Ein Blick auf das Erscheinungsdatum der Zeitschrift bestätigt meinen Verdacht, dass es sich um ein etwas älteres Exemplar handelt. Ich bin die erste, die aus dem Wartezimmer gerufen wird und spüre deutlich die neidischen Blicke in meinem Rücken. Pusten. Orangensaft. Wieder ins Wartezimmer. Innerhalb der nächsten halbe Stunde füllt sich dieses in einem erschreckenden Ausmaß. Kein Stuhl ist mehr unbesetzt und ich danke still dafür, dass meine Zeit hier absehbar ist. Zwei Mal erlebe ich das Standardbegrüßungsritual. Ansonsten bleibt es erfreulich ruhig. Und dann pusten und ich bin weg.
Da Herr Yulius heute über die Kunst des Vertippens geschrieben hat, schlage ich den Bogen zurück zu Herrn Hacke und seiner Kunst des Verhörens.
Tochterfreundin sagte heute: Mein Vater und ich gehen heute noch auf eine Tupperparty. Oho, denke ich, das ist ja mal ein fortschrittlicher Papa, der auf Tupper steht und dazu auch noch seine Tochter mitnimmt. Ein Arbeitskollege von meinem Vater aus der Klinik macht die heute. Na, das wird ja immer besser. Der macht das jedes Jahr einmal. Immer am letzten Spieltag der Fußballbundesliga. Na ja, dann gucken die doch bestimmt nur Fußball und diese Tuppergeschichte ist nur so eine Nebenbeigeschichte. Die ganze Spielzeit haben ganz viele Freunde von dem Kollegen für jedes Spiel Tipps abgegeben und heute wird der Gewinner ermittelt. Oh wie peinlich, sie hatte wohl Tipperparty gesagt.
Natürlich gibt es auch ein MädchenGen. Wenn Lotta und ihre Freundin bei uns im Garten spielen, dann sieht es hinterher genau so aus wie es nur aussehen kann, wenn Mädchen gespielt haben.
So nebenbei wurde Anton von den Beiden dann auch noch in die hohe Kunst des Aus-Spiel-Spielens eingeführt.
Aus Spiel bin ich deine Mutter, Dani ist dein Vater und du bist unser Kind. - Aus Spiel hast du morgen Geburtstag. - Aus Spiel gehen wir jetzt einkaufen. - Aus Spiel muss ich jetzt Essen kochen und der Vater spielt mit seinem Kind Fußball. - Aus Spiel gehst du jetzt wohl ins Bett. - Aus Spiel ist das unser Badezimmer. - Aus Spiel musst du wohl ganz doll weinen. - Aus Spiel komme ich dann und tröste dich.
Ganze Handlungsstränge wurden immer wieder mit den Worten aus Spiel begonnen und ich erinnere mich, dass ich das schon ganz oft bei Kindern in Rollenspielsituationen gehört habe. Ich habe sogar das Gefühl, dass wir das früher als Kinder auch immer gesagt haben.
Es scheint ein großes Bedürfnis zu sein, dem Spielpartner immer wieder deutlich zu machen, dass alles nur aus Spiel geschieht. Auch ist das so eine Art Absprache zwischen den Kindern. Sie tun nicht einfach nur die Sachen miteinandern, sondern sie sprechen darüber, bringen unterschiedliche Ideen ein, lenken Handlungen in die eine oder die andere Richtung, signalisieren den Wechsel eines Handlungsablaufes.
So anstrengend es für Außenstehende ist, diesem Treiben zuzuhören, so banal und unsinnig es auf einen wirken mag, ich sehe hinter dem Ganzen eine enorme kommunikative Kompetenz und einen wichtigen Entwicklungsschritt in Richtung soziale Kompetenz. Und beim Unkraut zupfen wurde mir klar: Wie wichtig.
Wenn ich beim Frühstück zum Jüngsten sage nimm deine Füße vom Tisch, sonst schmiere ich Butter drauf und der Mittlere daraufhin cool sagt, dann ist das kontraproduktiv.
Vorherrschendes Thema am Frühstückstisch von Familie Antonmann. Leverkusen oder Stuttgart?
Passend dazu ein kleines Stadion-Quiz von SPIEGEL ONLINE.
Mein Ergebnis: Sie haben 11 von 18 Punkten. Und damit bin ich mehr als zufrieden, auch wenn ich weiß, dass es Menschen gibt, die über so ein Ergebnis nur lächeln.
Ich lächle lieber über den recht müden Spiegelkommentar zu meinem Ergebnis:
Respekt! Sie kennen sich aus, auch wenn es noch deutliche Lücken gibt. Diese sollten Sie mit einem Rundflug über die Stadien schließen - und dann das Quiz noch einmal wiederholen.
Mein noch immer spärlich bezahnter Herr Anton hat einen Wackelzahn. So erzählt er jedenfalls jedem der ihm über den Weg läuft. Dann steckt er seinen Finger in den Mund und ruckelt ernst an seinen Zähnen. Huck, hackelt.
*
In unserer Sandkiste haben wir ganz viel Brudersand.
*
Wenn jemand, der keine Ahnung von Computern hat, seine Lohnsteuererklärung an unserem Computer machen möchte, mit der Begründung, dass es so schneller geht, dann habe ich Schwierigkeiten, damit gelassen umzugehen.
*
Nach Spargel kommt Spargelpipi.
*
Koppi hat heute mit seiner Mannschaft 15:0 gewonnen und ich muss fast weinen, weil mir die anderen so leid tun.
*
Ich dachte, ’s Madämsche wäre schon da.
Den Nachbarn und den Nachbarfreunden beim Aufbau des Kinderspielrutschschaukelkletterdingsbums zuzuschauen und zuzuhören ist die reinste Sozialstudie.
(Merke: Die Buchenhecke kann ruhig noch ‘ne Ladung Dünger vertragen.)
Ein Streit zwischen den beiden Großen ist wie ein Gewitter. Kurz, aber heftig bricht es über uns ein. Schimpfwörter zischen durch die Luft, Türen knallen, Kinder rauschen über den Flur. Es ist laut und nicht zu bremsen.
Und dann plötzlich Stille. Ich höre das Ticken meines Weckers.
Nach fünf Minuten Stille öffnet sich die erste Kinderzimmertür. Kinderfußgetrappel. Leises Reden. Der Streit ist vorbei. Es herrscht große Einigkeit und der dringende Wunsch, die nächste Nacht gemeinsam in einem Zimmer zu verbringen.
Anton streichelt mir den Bauch.
Koppi bringt mir ein Brot mit Käse.
Lotta bringt mir meine Tabletten.
Db Eva kocht mir Tee, wärmt mir Nudeln, wechselt leere Wasserflaschen gegen volle, installiert den DVD-Spieler im Schlafzimmer, hört sich mein Jammern an und nimmt mich in den Arm.
Wissen Sie eigentlich, wie schlecht das Vormittagsfernsehprogramm ist? Und meist sind es auch noch Wiederholungen vom Vortagnachmittag. Blöd, wenn man da auch schon im Bett gelegen und gefernseht hat. Da werden Sendungen wie Blum und Blümchen zu echten Höhepunkten.
Nachteile einer Gastritis:
- Magenschmerzen
- Sodbrennen
- Übelkeit
- Magenspiegelung
- Kaffeeverbot
- eigentlich ein Alleswasschmecktverbot
- verordnete Stressreduzierungsauflage
Vorteile einer Gastritis:
- nicht ansteckend
- verordneter Müßiggang
- vormittags 1. Teil 2. Staffel Grey’s Anatomy
(Irgendwie geht die Kosten-Nutzen-Analyse nicht so auf, dass ich der Krankheit wirklich etwas Positives abgewinnen kann.)
Da gab es mal einen äußerst beißwütigen kleinen Bruder. Eines Tages bekam dieser kleine Bruder von seinem großen Bruder eine kräftige Ohrfeige. Heulend rannte der kleine Bruder zu seinen Eltern. Die kannten ihr Kind gut und fragten den großen Bruder, ob er gebissen worden wäre. Da der große Bruder dies verneinte, wollten die Eltern dann doch gerne den Grund für die Ohrfeige wissen. Er sah so aus, als ob er mich gleich beißen wollte, war die Antwort des gebeutelten Bruders. Eine präventive Ohrfeige also.
Kann man jemanden für etwas bestrafen, dass dieser nur vorgehabt hat zu tun? Konnte der große Bruder tatsächlich am Gesichtsausdruck des kleineren Bruders, durch seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz, ablesen, dass dieser im Begriff war ihn zu beißen? Wäre dann so eine präventive Ohrfeige nicht menschlich nachvollziehbar?
Und hätte der große Bruder schon damals die Möglichkeit gehabt, von Ivan zu lernen, dann hätte er immerhin noch antworten können: Ich habe ihm gar keine Ohrfeige gegeben, ich habe es nur vorgehabt.
Seit langer, langer Zeit waren wir mal wieder an einem Samstag in der Innenstadt der großen Stadt.
Lotta und Freundin gingen ins Kino. Der Rest der Antonmänner in die Fußgängerzone. Koppi brauchte unbedingt einen weiteren Laster und Frau Antonmann brauchte unbedingt ein Geschenk für eine Kollegin.
Nach nur 10 Minuten wurde mir bewusst, dass ich nach nur 4 Jahren Landleben ein Landkind geworden war. Die Masse an Menschen hat mich bedrückt. Viel zu viele. Und so viele fertige Menschen. Jugendlich, die genau so aussehen, wie die Jugendlichen an meiner Schule. Und wieder einmal war ich froh, dass ich nicht in der Stadt wohne, in der ich auch arbeite. Vor Menschenmassen nicht richtig gehen zu können, ständig ausweichen, bremsen, gedrängelt werden. Es war nicht schön.
Nach nur 10 Minuten wurde mir bewusst, dass Koppi nach 4 Jahren Landleben ein Landkind geworden war. Die Stadt hat ihn begeistert. Ein Kaufhaus mit Rolltreppen über fünf Etagen hat wahre Begeisterungsstürme bei ihm ausgelöst. Das Sportartikelgeschäft hat ihm ein oh wow entlockt. Und die Etage mit nur Spielwaren hat uns den halben Einkauf gekostet. Aber, hier wohnen möchte ich immerhin nicht, bei so engen und hohen Häusern. Und die Auswahl an den speziellen Autos war wesentlich schlechter als die in unserem Lieblingseinkaufscenter bei uns um die Ecke. Nur, dass dort bereits alle Laster von sämtlichen befreundeten Achtjährigen aufgekauft sind.
Es ist schön, dass wir in nur 20 Minuten in der großen Stadt sind. Aber es ist noch schöner, dass wir in nur 20 Minuten wieder bei uns auf dem Land sind.
Frau Suse und Frau Kaiserin waren so freundlich, dafür zu sorgen, dass das Chromosomen-Stöckchen nicht an mir vorübergeht. Also mache ich mich auf die Suche, nach meiner weiblichen und meiner männlichen Seite.
Ich und X:
- Ich bin eine Frau.
- Ich lackiere meine Fußnägel im Sommer knallrot.
- Ich liebe Grey’s Anatomy.
- Ohne Süßigkeiten im Haus werde ich nervös.
- Ich kann an der H&M Kinderabteilung nicht vorbeigehen.
- Ikea kann ich nicht ohne irgendein Schnickeldi verlassen.
- Meinen Kaffee trinke ich mit viel Milch.
- Ich liebe Happy Ends.
- Ich bin eine Meinmannistfußballfanalsointeressiertesmichauchfannin.
Ich und Y:
- Ich kann auf Kommando laut und herzhaft rülpsen.
- Mein Orientierungssinn ist extrem gut ausgebildet.
- Ich kann gut rückwärts einparken.
- Ich telefoniere nicht gerne.
- Mein Lieblingsfach ist Mathematik.
- Für die Steuererklärung bin ich zuständig.
Wie viele andere auch, habe ich mich mit diesem Stöckchen sehr schwer getan. Typisch weiblich, typisch männlich ist nicht so mein Ding. Hatte ich doch leicht das Gefühl, mir etwas aus den Fingern zu saugen.
Aber warum sollte es anderen Bloggern besser gehen als mir und darum beglücke ich jetzt die Wortteufelin mit diesem Stöckchen, damit sie weiter herausfinden kann, ob diese Stöckchenspiele so ganz ihrs sind.
Is’ mir jetzt auch egal, was andere von mir denken.
ICH finde es total ätzend, wenn ich aus dem Wohnzimmerfenster schaue und mich freue, dass es gerade mal nicht regnet und ich zur Haustür gehe und es SCHÜTTET.
Mich nerven die Leute, die nach den letzten Wochen Sommerwetter jetzt, nach nur einer Woche Regen, anfangen, zu jammern. Sagt db Eva beim Blick aus dem Fenster.
Mist, denn mich nervt der Regen, der seit einer Woche vom Himmel fällt.
Es hat etwas von Urlaubsstimmung, wenn alle drei Kinder zum gemeinsamen Spielen nach oben abziehen, mit Decken unter den Armen und die Köpfe voller Ideen zum Höhlenbauen.
Da schenk ich mir doch gleich noch einen frischen Kaffee ein, lege die Füße hoch und lese die Zeitung. Urlaub.
Fast 13 Stunden Schule, mein Schädel brummt (und dann bewirft man mich auch noch), mein Hirn arbeitet im abgesicherten Modus.
Nur Little Britain geht gleich noch.
Ein Schulfest ist für Lehrer am spaßigsten, wenn die Besucher noch nicht da sind und, wenn sie wieder weg sind.
Manche Fernsehsendungen sind zwischenzeitlich so schwer zu ertragen, dass ich einfach mal kurz abschalten muss.
Warum kann man sich an bestimmte Dinge, die man in der Schule gelernt hat, so genau erinnern und an manche gar nicht mehr?
Ich weiß zum Beispiel noch ganz genau, wie meine Biologielehrerin uns sehr anschaulich erklärt hat, was man tun muss, wenn man einen Bandwurm hat und diesen wieder loswerden möchte. Sicherlich ebenso anschaulich hat sie uns in die Geheimnisse der Cytologie und der Molekularbiologie eingeführt. Mein Wissensstand in diesen Fachgebieten ist aber nicht mal in Ansätzen noch so fundiert wie der zur Bandwurmbeseitigung.
Dem Mittleren beim Erzählen einer lustigen, aber langatmigen Spongebobgeschichte zugehört (irgendwas mit einer Kamera, Patrick und einer vergessenen Abdeckung).
Den Gestank des Kleinen ertragen.
Von der Großen erfahren, was in unserem Wohnzimmer alles magnetisch ist.
Von der Großen ein Gedicht, dass sie morgen vortragen muss, gezeigt bekommen (irgendwas mit Lenz und sie braucht dafür Koppis Sonnenbrille).
Den Kleinen gewickelt.
Dem Mittleren gesagt, welche Farbe Frühlingszwiebeln und die Stengel der Roten Bete haben.
Aufgepasst, dass der Kleine nicht die Werkzeugkiste ausräumt.
Den Mittleren erinnert, dass er nicht mit dem Bobbycar durchs Wohnzimmer rasen soll.
Dem Kleinen die chinesischen Reiscrackerreste, die er erst lecker und dann bäh fand, aus dem Mund und von den Händen gepult.
Was mach’ ich hier eigentlich?
Ich sitze auf dem Klo, rufe oh, eine neue Klobürste und hätte das nicht tun dürfen. Plötzlich steht die gesamte Familie Antonmann um mich herum und bestaunt das gute, neue Stück (weiß, Plastik).
(Ich muss jetzt kacken lässt alle Klotouristen wieder ganz schnell verschwinden.)
Ich werfe das Sesamstöckchen ganz offiziell an die sympathischen Damen Ines und Yvonne, die nun für weitere lebensrettende Maßnahmen zuständig sind.
Mein Stöckchen ist eine Sackgasse.
Mein Stöckchen stirbt.
Gibt es hier denn nicht irgendjemanden, der mein Stöckchen retten möchte und auch noch die Sesamstraße kennt?
Ich werfe auch, ihr müsst euch nicht bücken.
Endlich, der wackelte schon seit Dänemark.
(Nun muss Koppi ständig mit der Zunge prüfen, ob die Lücke noch da ist.)
Ich finde Frau Jette sehr sympathisch, weil sie so sympathisch schreibt, weil sie mir ein sympathisches Sesamstöckchen zugeworfen hat und weil sie meint, ich sei sympathisch. Und das hört man ja besonders gern.
Ich bin in einer Reihenhausneubausiedlung aufgewachsen, gemeinsam mit vielen, vielen Kindern. Stundenlang haben wir draußen gespielt, bis um 18 Uhr der Ruf Sesamstraße über den Straßen erschallte. Dann flitzten wir in irgendwelche Häuser und schauten gemeinsam. Danach mussten wir nach Hause, das war klar.
Welchen Charakter aus der Sesamstraße fandest Du am coolsten?
Das Quietscheentchen von Ernie. Ich wollte immer ein Originalentchen, weil das so süße Augen hatte. Aber soweit war man mit Merchandisingprodukten damals noch nicht. (Is’ jetzt nicht so richtig ein Charakter.)
Wen konntest Du nicht leiden?
Ich mochte Tiffi nicht, die war mir zu rosa, plüschig, piepsig.
Kannst Du ein Lied aus der Sesamstraße auswendig? Welches?
Ich glaub’, ich kann fast alle Lieder auswendig. Wir haben eine Kassette mit allen Liedern und beeindrucken konnte ich immer mit dem Lied von Bibo, der das ABC in einem Wort gesungen hat. Aber auch Hätt’ ich dich heut erwartet, Ich mag Müll, Manamana, In dem grüngelben U-Boot und Quietscheentchen gehen noch relativ flüssig über meine Lippen.
Was hat Dir die Sesamstraße beigebracht?
Ich kann mich an gar nichts so richtig erinnern, was ich wirklich von der Sesamstraße gelernt haben könnte. Für solche Sachen war dann irgendwann die Maus zuständig.
Wann hast Du zum letzten Mal Sesamstraße gesehen?
Das ist ewig her. Lotta und Koppi sind nie so richtige Sesamstraßenkinder gewesen und ich mag die heutige Sesamstraße auch nicht wirklich.
Wer soll das Stöckchen bekommen?
Etwas Zerstreuung und Wartezeitunterhaltung für die ebenso sympathischen Damen Sandy, Lise und Ami.
Larissa hat sich mein neustes Spielzeug mit nach Hause genommen, um damit zu spielen. Plötzlich ging zu Hause alles kaputt und mein Spielzeug wurde verdächtigt, daran schuld zu sein. Zum Glück sagen die Nachbarn, dass auch bei ihnen nichts funktionierte, obwohl sie nicht mit meinem Spielzeug gespielt hatten.
Da bin ich sehr froh, weil es doch von mir kam, das Spielzeug.
Wenn dein Sohn plötzlich beim Duschen nicht mehr das nach Pfirsich duftende Kinderduschgel, das mit dem Seelöwen drauf, der unter Wasser die Farbe wechselt, benutzen möchte, dann hat er sich auf den Weg gemacht, ein ganzer Kerl zu werden.
(Nun benutzt das Kind db Evas Duschgel. Das, bei dem die Frauen in der Werbung immer ganz verrückt nach den Männern werden.)
Tom ist 10 Jahre alt und ein Junge aus unserem Dorf.
Ich mag Tom. Das ist so ein Immeraufachsekind. Fährt viel mit dem Fahrrad durch die Gegend, ist mal bei den einen, mal bei den anderen Nachbarn im Garten anzutreffen, plaudert, spielt mit Hingabe Fußball und in der großen Sandkiste beim Feuerwehrhaus.
Tom klingelt oft bei uns, um mit Koppi zu spielen. Tom und Koppi sind Freunde. Nicht die allerbesten, aber sie mögen sich und können gut miteinander spielen.
Tom ist immer etwas länger unterwegs, als meine Kinder. Nicht viel, aber halt länger. In der Woche klingelt er auch mal um halb 7 an unserer Tür, um noch mit Koppi zu spielen. Wenn Tom “so spät” noch bei uns klingelt und bei uns schon das Abendprogramm eingesetzt hat, komme ich mir immer wie ein Spießer vor. Nein, Koppi kommt nicht mehr raus zum Spielen. Manchmal klingelt er allerdings auch nur, um nach der Uhrzeit zu fragen.
Gestern haben Tom und Koppi miteinander gespielt. Den ganzen Tag waren sie unterwegs. Beim Spaziergang mit Anton begegnete ich ihnen und sie erzählten mir: Tom hat sein Fußballpunktspiel am Nachmittag verpasst. Nun darf er nie wieder mitspielen. Ich weiß erst gar nicht, was ich sagen soll, bin etwas perplex. Ob denn seine Eltern nicht an den Termin gedacht hätten. Nein, sein Vater sei weggefahren und seine Mutter wüsste gar nicht, wo das Spiel sei.
Und plötzlich wird es mir klar. Meinen Kindern geht es gut. Sie dürfen zwar nicht so lange draußen spielen und genießen auch nicht so viele Freiheiten wie Tom, aber sie leben in Strukturen. Sie dürfen Kind sein und sich darauf verlassen, dass ihre Eltern, in Situationen, in denen sie auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, als zuverlässige Partner für sie da sind.
14.51 Uhr: und schläft und schläft und schläft.
(langsam wird mir langweilig)
Danke, liebe Ortsfeuerwehr. Jetzt konnte ich um 12.35 Uhr die Treppe hochstürzen und mein Kind beruhigen.
(Die Sirene heult übrigens nur dreimal.)
Was soll ich davon halten? Wie geplant stehe ich um 12.20 Uhr vor Antons Tür. Mein Herz klopft und mein Atem ist flach. Ich bin etwas aufgeregt, weil ich warte, dass es losgeht. Um 12.32 Uhr stehe ich immer noch, mein Herz hat sich be uuuaaahh
In 24 Minuten ist es wieder soweit. Mittlerweile haben wir das System durchschaut und wissen, dass an jedem ersten Samstag im Monat um 12. 30 Uhr nebenan die Feuerwehrsirene losheult.
Ich sitzte auf dem Sprung. Um 12. 29 Uhr stelle ich mich vor Antons Tür. Beim ersten Heuler stehe ich neben seinem Bett und rede vorsichtig auf ihn ein. Vier Heuler gibt es insgesamt, ich zähle innerlich mit. Um 12.32 Uhr schleiche ich wieder aus dem Zimmer und hoffe inständig, dass das Knäblein noch ein Stündchen weiterschläft.
Zum Glück weiß ich dann aber, dass mit unserer Dorfsirene alles in Ordnung ist und das beruhigt mich sehr.
Ich habe in meinem Beruf mit Kindern zu tun. Klar. Aber auch mit Erwachsenen, mit einfachen und schlichten Erwachsenen, Eltern von Kindern. Mittlerweile ein kleines Päckchen an Erfahrungen. Ich erlebe Unfähigkeit, Hilflosigkeit, Bemühtheit und Fahrlässigkeit.
Und ich weiß, dass, wenn eine wildfremde Person glaubt, dass sie mit dem, was sie von sich gibt, verletzen könne, dass diese Person die Weisheit lediglich mit der Gabel gefressen haben kann. Wirklich verletzen kann sie jedoch nicht, weil ihre Meinung nichts bedeutet.
Einige meiner Schüler wissen mit sich und ihrer Umwelt manchmal auch nichts anderes anzufangen, als zu ärgern und zu verletzen. Das ist zwar sehr nervig, aber schaut man sich diese Kinder einmal genau an, dann sind letztendlich sie die armen Schweine und das letzte Glied in der Kette.
Der Satz, ich habe einen Euro für deine Klassenkasse dabei, bekommt eine ganz neue Perspektive, wenn das Kind statt Klassenkasse Krankenkasse sagt.
Anton lebt auf breitem Fuß und das stellte sich für den heutigen Sandalenkauf als äußerst hinderlich dar.
Da hat man einen Sandalensponsor gefunden, der mich mit der Vorgabe such was richtig Tolles aus ins Schuhgeschäft schickt und man kommt trotzdem ohne was, weder toll noch einfach irgendwas, aus dem Schuhgeschäft raus.
Wozu gibt es eigentlich dieses WMS-System, wenn in den Schuhgeschäften ausschließlich Schuhe in Mittel stehen? Und da Anton, was seine Fußbreite betrifft, auch kein Sodazwischenkind ist, sondern eindeutig breite Füße hat, gab es nur ein einziges Paar, das in dieser Hinsicht akzeptabel war. Hätte ich übrigens nicht den Sponsor im Hintergrund gehabt, wären die Schuhe, die mit der atmungsaktiven Sohle, allerdings in preislicher Hinsicht keineswegs akzeptabel gewesen. Aber ich durfte ja.
Also hätte gedurft, wäre die eine Größe nicht zu klein und die andere Größe nicht zu groß gewesen. Lange probiert, der Daumen der wirklich freundlichen Schuhfachverkäuferin hat immer wieder nachgemessen (gibt es eigentlich auch ein WMS-System für Schuhfachverkäuferinnendaumen?), und schlussendlich einsehen müssen, dass es weder noch passt.
Auf dem Rückweg dann noch schnell beim Secondhandladen angehalten und für 4 Euro wenigstens Schuhe zum Malebenreinschlüpfen gekauft.
Ich bin peinlich berührt, wenn Verkäufer wegen Sachen, die Verwandte von mir machen oder sagen, die Augen verdrehen.
*
Es ist anstrengend, wenn Anton mir ständig Fragen stellt, auf die es eigentlich keine Antwort gibt.
Hast du auch Zähne? Ja. Welche Zähne?
Scheint die Sonne? Ja. Welche Sonne?
Machst du deinen Reißerschluss zu? Ja. Welcher Reißerschluss?
*
Seit heute habe ich den Nacktschnecken den Kampf angesagt. Geht ja nie wieder an meinen neu gepflanzten Rittersporn.
*
Auch Achtjährige buddeln mit Hingabe im Sandkasten. Besonders, wenn sie dazu den Gartenschlauch benutzen dürfen und der kleine Bruder gerade ins Bett gebracht wird.
Nachdem unser eigentliches Erstermaiprogramm wegen einer kleinen, aber gemeinen Rückenindisponiertheit seitens db Eva gestrichen werden musste, lag es in meinen Händen, ein Alternativprogramm zu entwerfen.
Es ging zurück in meine Kindheit. An Orte, die ich schon vor 30 Jahren besucht habe. Ein Wanderweg, ein alter Turm, eine alte Schule.
Der Wanderweg war steiler, als ich ihn in Erinnerung hatte. Der Turm war kleiner. Beim Turm gab es früher keine Gastronomie. Eine Veränderung, an der ich schwer zu knabbern hatte. Ich mag es nicht, wenn Sachen nicht so sind, wie ich sie von früher kenne und mag. Wenn meine Mutter zu Ostern gefüllte Eier macht, die genauso aussehen wie die russischen Eier von früher, aber die Eier diesmal mit einer Lachscreme gefüllt sind, dann kann mich das in eine tiefe Sinnkrise stürzen. Ich schweife ab. Also, der Turm hat mittlerweile ein kleines, nettes Café mit dran und die Kinder konnten ein Eis genießen. Zu meiner alten Schule zu fahren, war mein persönliches Highlight. Ich habe in Erinnerungen geschwelgt und meine Familie gelangweilt. Über die Veränderungen an meiner Schule habe ich versucht, großzügig hinweg zu sehen.
Ein guter Tag (bis auf meine kleine Verstimmung wegen einer grünen Götterspeise) und außerdem konnten wir heute lernen, dass Lotta mittlerweile für einen Kinderteller beim Griechen zu groß ist und nun locker eine Nr. 39 (Suflaki) verdrückt.
Ich plane für heute einen Ausflug zu Kindheitserinnerungen. Das weiß hier allerdings noch niemand, also mal seh’n.



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