You are currently browsing the monthly archive for November, 2006.
Leichfüßig hüpft Anton durch die Wohnung. Seit ein paar Tagen immer mit einer kleinen, zeitgenössischen Melodie auf den Lippen. Ich bin mir jedoch ganz sicher, heute die Titelmusik von Indiana Jones in all dem Singsang gehört zu haben.
Db Eva bekommt von mir den Auftrag, in den nächsten Vormittagen durch Permanentberieselung positiven Einfluss auf Antons Musikgeschmack zu nehmen. Der Herr Jones kommt mir nicht mehr ins Haus.
Antons erster Dreiwortsatz (sehr bezeichnend):
Oaka (Koppi) Popel Mund
Anton hat sich gerade angewöhnt, bei vielen Wörtern den letzten Konsonanten mehrmals zu wiederholen.
So sagt er jedesmal:
mit-t-t, Brot-t-t, Luft-t-t, Ballonk-k-k, rauf-f-f, Musik-k-k, Licht-t-t usw.
Wir finden das natürlich alle sehr süß ;-)
Adventskalender für drei Kinder und eine Schulklasse (wenn auch eine recht kleine) ist eine logistische Herausforderung.
Derzeitiger Stand der Materialwirtschaft:
- es gibt zweimal 24 fertige, orange und rote Filzsterne vom letzten Jahr, die bekommen Anton und Koppi befüllt
- Anton bekommt Duplosteine (noch auf dem Dachboden), Clementinen, Spekulatius und Traubenzuckerbonbons (die aus der Apotheke)
- für Koppi ist bereits eine Legopackung gekauft (war im Angebot), die muss noch in 24 Einzelportionen geteilt werden, außerdem gibts noch die ein oder andere Süßigkeit (nicht zu viele, der Junge hat noch eine volle Kiste vom Martinssingen)
- Lotta bekommt dieses Jahr einen Adventskalender mit db Eva und mir zusammen (für jeden 8 Kleinigkeiten)
- 7 Sachen habe ich schon für Lotta zusammen
- 2 Sachen habe ich erst für db Eva zusammen
- um die 8 Sachen für mich müssen sich Lotta und db Eva kümmern
- meine Schüler bekommen kleine Weihnachtsstempel von einem bekannten Kaffeehersteller, Nüsse und eine Süßigkeit
- die Weihnachtsmänner aus Klopapierrollen für den Schuladventskalender muss ich noch mit den Schülern basteln (Klopapierrollen habe ich schon reichlich)
Nach Schlagzeug und Klavier, nun das Glockenspiel.
*
“Was meint ihr,” frage ich die äußerst fröhliche Kinderunde beim Kaffeetrinken, “pupsen Lehrer auch im Unterricht?” “Ja, bei uns alle.” meint B., Koppis Freund. Und auch der Rest der Truppe ist sich bei diesem Thema einig. Sie tun’s.
*
Anton lacht, wenn wir lachen. Und dann müssen wir noch mehr lachen, weil es so lustig ist, dass Anton über unsere Witze lacht.
*
Es ist schon spät und Anton ist müde. Eigentlich soll er ins Bett, aber die Frischkäsebrothappen werden nicht weniger auf seinem Brettchen. Um das Ganze etwas zu beschleunigen, esse ich heimlich von seinem Brot. Leider bemerkt er den Mundraub und findet’s gar nicht witzig.
Um das schreckliche Bild vom überfahrenen Igel (von dem ich übrigens glaube, dass Gudrun leider nicht Recht hat) wieder aus meinem Kopf zu bekommen, habe ich heute mit meinen Schülern gaaanz süße, schnuffelige und total lebendige Igel getuscht und dazu aus Herbstlaub große Blätterhaufen geklebt, in denen sich die Igel gemütlich für den Winterschlaf einkuscheln können. Morgen nehme ich meine Kamera mit, um Fotos davon nachzuliefern.
Und, vielleicht kann ich Koppi am Wochenende dazu animieren, sich dem Thema Igel noch mal von einer anderen Seite zu nähern.
Beim Durchdieluftschleudern quietscht Anton vor Vorgnügen und ruft mal, noch bevor wir fertig sind.
Geschafft geschafft.
Anton hat sich damit vergnügt, Aktenordner durchs Wohnzimmer zu tragen und Marzipankuchen zu essen. Ich war nur ganz leicht gestresst. Jetzt noch 50 Dates und dann ins Bett.
In einer halben Stunde kommt db Evas Patentante in ihrer Funktion als Steuerberaterin zu uns. Dies hat mehrere Vorteile:
1. Ich mag sie sehr gerne und es ist schön, wenn sie uns besucht.
2. Ich habe gestern in einer Riesenaufräumaktion sämtliche Unterlagen, die sich in den letzten Wochen auf meinem Schreibtisch angesammelt haben, geordnet und abgeheftet.
3. Wegen db Evas Selbstständigkeit würden wir alleine die Steuererklärung nicht so effektiv hinkriegen.
4. Wenn ich schreibe effektiv, dann meine ich auch effektiv.
Leider habe ich, trotz der nicht zu verachtenden Vorteile, so überhaupt keine Lust, den ganzen Nachmittag über den Aktenordnern zu hängen.
Wir sind mit den Kindern ausgegangen, hier hin.
Anton hat nach kurzer Zeit angefangen wie eine Sirene zu schreien und dafür gleich von der Bedienung einen Bestechungskeks geschenkt bekommen (immerhin, dann war er still).
Lotta und Koppi haben sich jeweils zwei Kugeln Eis und Pommes mit Hähnchennuggets bestellt. Da sie alles gleichzeitig geordert haben, kam alles gleichzeitig. Koppi hat eisenhart Pommes, Eis und Nuggets durcheinander gegessen (dabei zumindest festgestellt, dass Pommes mit Schokoladeneis nicht so der Brüller ist), Lotta hat vorsichtshalber erst ihr Eis und dann die Pommes und die Nuggets gegessen.
Anton hat versucht sein Eis mit einem Holzstäbchen zu essen und erinnerte mich dabei sehr an Affen, die mit vergleichbarer Technik Termiten aus Baumstämmen angeln.
Eine lustige Gesellschaft.
Das ist der wahre Sonntagvormittagluxus einer dreifachen Mutter:
Anton schläft bis 7 Uhr.
Bis 8 Uhr 8 liege ich bei ihm im Zimmer auf der großen Matratze ohne ein Wort zu reden.
Koppi kommt dazu und fängt an, Anton Bücher vorzulesen.
Ich stehe auf und ziehe mich an. Ich ziehe Anton an.
Lotta ruft Anton zu sich ins Zimmer. 30 Minuten bleibt er dort.
In der Zeit trinke ich meinen ersten Kaffee.
Anton kommt runter und ich mache ihm seine Milch warm.
Lotta und Koppi spielen Verstecken, Anton spielt irgendwie mit.
Db Eva steht auf und wir frühstücken zusammen. Ich trinke meinen zweiten Kaffee.
Db Eva muss kurz zur Arbeit fahren.
Lotta und Koppi gehen nach oben zum Spielen und nehmen Anton mit.
Ich sauge schnell Küche und Wohnzimmer und stelle eine Machine mit 60° Wäsche an.
Es ist 10 Uhr 40, ich trinke meinen dritten Kaffee und stelle fest, dass drei Kinder der reinste Selbstläufer sind.
Die Erstgeborenen sind die Herrscher unserer Welt.
Die Zweitgeborenen sind die Macher unserer Welt.
Nur überlege ich seit Antons Geburt, was aus den Drittgeborenen wird. Zur Zeit tippe ich auf Genießer.
Ich habe heute mehrmals ganz deutlich gehört, dass Anton oliba gesagt hat. Noch kein Grund zur Sorge, aber wenn er auch noch mit vokuhila ankommt, dann werde ich doch nervös.
(Da ich gerade wörtlich bin: Mein Lieblingswort von Anton ist uantatta. Das klingt so schön, wenn er es sagt. Was das heißt, das kriegen sie nie raus.)
Kurz vor dem Ausdemhausgehen nutzt Anton geschickt die Zeit zwischen ihn habe ich schon angezogen und ich packe meinen Rucksack und ziehe mich selber an, um sich unnötiger Ballaststoffe zu entledigen.
Und garantiert hat er an so einem Tag eine Latzhose an.
Ich mach mich locker und frage trotzdem vorsichtshalber beim nächsten Termin bei meiner Zahnärztin nach.
Ich fang jetzt mal an, mir Sorgen wegen Antons Zähnen zu machen.
In einem Alter, in dem andere Kinder bereits an die Zahnfee denken oder zumindest ein fast vollständiges Milchzahngebiss haben, beißt Anton noch immer mit nur 6 Zähnen zu (zwei unten und vier oben). Nach zwei besorgniserregenden Gesprächen über Verformungen des Kiefers, wegen fehlender Zähne (mit meiner Mutter) und über aufgeschnittenes Zahnfleisch, um das Wachstum der Zähne zu erleichern (mit einer Freundin), werde ich mich jetzt in die googlenden Weiten des Internets stürzen, um herauszufinden, ob Handlungsbedarf besteht oder ob ich locker bleiben kann.
Ich habe heute sechs Kinder-Schokobons (Reste von Matten, Matten, Mären) innerhalb von 42 Sekunden gegessen. Damit Anton mich dabei nicht sieht.
Dabei habe ich festgestellt, dass es besonders schnell geht, wenn man das Bonbon an einem Ende festhält, den Rest des guten Stücks in den Mund nimmt, die Zähne leicht aufeinanderstellt, am festgehaltenen Ende zieht und somit das Bonbon, durch eine leichte Rotationsbewegung im Mund, auszieht. Lecker. Neben der Schnelligkeit ist übrigens ein weiterer nicht zu verachtender Vorteil, dass man für diese Technik nur eine Hand braucht.
Warum meinen Eltern von fußballspielenden Kindern, dass ohne ihre lautstarken Kommentare gar nichts ginge?
Da wird gerufen, angefeuert, gewettert, gelobt, (leider auch oft) geschimpft, über Fehlentscheidungen des Schiedsrichters gemeckert, gelitten, taktisch gelenkt (nicht zu Möller) und gefachsimpelt.
Wie gut, dass Koppi Torwart ist. So kann ich mich etwas abseits aufhalten und ganz still vor mich hin leiden, wenn Mannschaft und Ball ungebremst auf ihn zu rollen.
Anton hat heute begeistert (ente, ente) festgestellt, dass er die hohe Kunst des Kae Sa Luk beherrscht. Es ist ihm gelungen, eine kleine Ente aus einer Harry Toasttasche zu beißen. Anscheinend hat sich der kleine Künstler durch die derzeit aktuelle Kinderliteratur inspirieren lassen.
Seit einer Stunde spielen Anton und Koppi gemeinsam mit Legosteinen. Sollte das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft und einer wunderbaren (Frei-)Zeit für mich sein?
(Und das bei dem Altersunterschied. Dabei war doch allen klar, dass der arme, arme Anton wie ein freudloses Einzelkind aufwachsen würde.)
Liebe Mädchenmamas,
ich wende mich heute an Euch, um Euch vorzuwarnen.
Wenn Eure Töchter zehn Jahre alt sind, werden sie eine wichtig wichtige Verabredung mit ihren Freundinnen verbocken. Den Ärger, den sie dann darüber verspüren, werden sie vollständig an Euch auslassen. Sollte dieser Vorfall zufällig an einem Samstagnachmittag stattfinden, könnt Ihr Euch außerdem darauf einstellen, dass dieser auch Auswirkungen auf Eure eigene Nachmittagsplanung haben wird. Den Ärger, den Ihr dann darüber verspürt, werdet Ihr vollständig an Euren Töchtern auslassen.
Das alles wird so oder so passieren. Macht aber nichts, denn spätestens nach einer halben Stunde werdet Ihr Euch wieder in den Armen liegen und Euch gegenseitig Asche auf Eure Häupter streuen.
Liebe Grüße
Kerstin (Mutter einer zehnjährigen Tochter)
Es ist dunkel in Antons Zimmer. Er schlingt seine Arme um meinen Nacken und ich singe Hoch strahlt am Himmel. Sein Kopf liegt an meinem Hals. Dort, wo unsere Haut sich berührt, wird es ganz warm. Das Lied ist zu Ende. Gute Nacht, Anton sage ich und spüre, wie er mich ganz fest in den Arm nimmt. Ich lege ihn ins Bett und schließe leise dir Tür hinter mir. Einen Moment bleibe ich im hell erleuchteten Flur vor seinem Zimmer stehen.
Lotta singt unter der Dusche und Koppi ruft aus seinem Zimmer, dass ich ja nicht seine Spunks essen solle, die er neben die Toilette ins Regal gelegt hat.
Die Großen stehen unter ständiger Beobachtung von Anton. Immer auf der Suche nach Dingen, die er ihnen nachmachen könnte. Manchmal sind’s nur ganz kleine Gesten, aber er schaut genau hin.
Und, Koppi hat ihm heute vorgelesen. Anton ist nun bestens informiert über Asterix, Obelix und das Geschenk des Caesars.
Ikea ist Ikea ist Ikea ist Ikea.
Ich war heute da. Es ist neu und groß. Und verkauft die gleichen Sachen wie das alte und kleine. Lotta sagt: ist halt Ikea.
Trotzdem habe ich € 37,58 ausgegeben. Schöne Sachen.
Wenn sich der Vater morgens krank meldet, tritt bei uns der folgende Notfallplan in Kraft:
Anton muss mit mir zur Schule (lulu mit)
Wir haben den Tag gut überstanden und ich singe ein Loblied auf eine kleine Packung Gummibärchen, die derzeitige Rübenkampagne, die nahegelegene Zuckerfabrik und die 63 Trecker, die uns auf dem Heimweg begegnet sind. Somit ist Anton im Auto nicht eingeschlafen, sondern konnte hier zu Hause wie ein Stein in sein Bett fallen.
Stellen Sie sich vor, Sie gehen die Treppe runter, 15 Stufen. Auf der einen Seite den Wäschekorb unterm Arm, auf der anderen Seite das schreiende Kind (weil es mal wieder nicht so will wie Sie wollen). Ab der 4 Stufe windet sich das Kind langsam aus Ihrem Arm, der Pulli rutscht immer höher. Kurz bevor Sie nur noch den Pulli im Arm haben, kommen Sie unten an und setzen das Kind auf dem sicheren Boden ab.
Stolz und glücklich fährt Koppi zum Schlagzeugunterricht, philosophiert beim Schuheanziehen noch schnell über die richtige Schuhwahl, um das Fußpedal der Base und der Hi-hat optimal treten zu können, klemmt seine 7A-Sticks unter den Arm und fährt davon.
Es ist einer Mutter möglich, innerhalb von 48 Sekunden elementar Neues zu lernen.
Im Kriechgang bin ich heute Morgen aus meinem Bett, habe den Kindern Anziehsachen hingelegt (das muss sein, sonst gibt’s eine Katastrophe) und bin wieder ins Bett gekrochen. Ich hasse diese Kopfschmerzmorgende, habe aber immerhin schon gelernt, nicht dagegen anzukämpfen, sondern gleich wieder den Weg ins Bett zu nehmen.
Nun, nach sechs weiteren Tiefschlafstunden kann ich zumindest wieder aufrecht gehen und ich hoffe, dass zwei Paracetamol und eine Tasse Kaffee ihr übriges tun.
In der Nacht von Freitag auf Samstag war db Eva maßgeblich an einer Cagebeschleunigung beteiligt. In nur 12 Stunden wurde der erste Satz von ORGAN2/ASLSP von John Cage gespielt, was im Vergleich zu Halberstadt wahnsinnig schnell ist.
Ich muss gestehen, dass ich vor dem Projekt noch nichts von diesem Stück gehört habe (stellte jedoch bei Gesprächen an den letzten beiden Abenden fest, dass es anderen Menschen in meiner Umgebung nicht anders geht).
Ob ich wohl auch mal einen Tonwechsel miterlebe? Mal sehen, was ich am 5. Juli 2008 vor habe.
Anton-o-ton zu meiner aktuellen Blogseite:
anta - Anton
necke - Schnecke
heich - heiß
anta - Anton
bumum - Blume
decka - Trecker
decka - Trecker
anta - Anton
papa - Papa
lodock - Schlagzeug
duhl - Stuhl
oak - Quark
buch - Buch
binne - Spinne
Freitags habe ich nur vier Stunden und wenn ich ganz schnell nach Hause fahre, bin ich da, wenn Anton noch schläft. Heute habe ich’s geschafft.
Und Lotta und Koppi sind noch in der Schule. Und db Eva hat sich hingelegt, um für ein anstrengendes Wochenende vorzuschlafen - Kann man das eigentlich als dreifacher Vater? Ist nicht jeder Schlaf eigentlich ein Nachholen? Und ist das nicht wie mit den Steuermehreinnahmen? Kann man von einem Schlafguthaben reden, wenn man eigentlich noch Schlafschulden hat? - Nun ist es ganz ruhig im Haus und meine Seele kann sich kurz mal baumeln lassen.































Kommentare